Die russischen Groß- und Einzelhändler der Lebensmittelindustrie treffen sich auf der WorldFood Moskau

Apfelanbau: Äpfel aus der Steiermark für den russischen Markt auf der WorldFood Moskau 2012
Apfelanbau: Äpfel aus der Steiermark für den russischen Markt auf der WorldFood Moskau 2012

Die WorldFood Moskau ist neben der ProdExpo die bedeutendste Fachmesse für die Lebensmittel- und Getränke-Branche in Russland. Sie deckt das komplette Spektrum der Lebensmittelindustrie ab und teilt sich in viele einzelne Bereiche wie Fleisch und Geflügel, Fisch und Meeresfrüchte, Obst und Gemüse, Süßwaren und Backwaren, Öle, Fette und Saucen, Milchprodukte, Tee und Kaffee und Getränke ein. Auf der diesjährigen WorldFood, welche vom 17. bis 20. September 2012 im Expocentre Moskau Ihre Tore öffnete, waren knapp 40 Unternehmen aus Deutschland und Österreich mit eigenen Ständen, sowie zehn Winzer und Vertreter von Weingütern am deutschen Gemeinschaftsstand, vertreten. Ein Dutzend von ihnen wurde direkt auf der Messe zu ihrem aktuellen Russlandgeschäft sowie den Besonderheiten dieser Branche in Russland befragt.

Die WorldFood ist vor allem unter Russlands Fachbesuchern sehr anerkannt und wird von Vertretern aus dem Groß- und Einzelhandel besucht. So erhofften sich auch die deutschen Aussteller ein gutes Feedback von der Messe. Allein an der Messe teilzunehmen und zu hoffen, dass einem der richtige Partner für ein erfolgreiches Geschäft in Russland begegnet, wäre jedoch viel zu einfach. Kontinuierliche Präsenz auf verschiedenen Plattformen und eine eigene Struktur – eine gute Mischung eben – macht in Russland den Erfolg der mittelständischen Unternehmen der Lebensmittel- und Getränke-Branche aus Deutschland aus. „Wir sind seit 2007 in Russland aktiv. Seit etwa zwei Jahren bearbeiten wir den russischen Markt sehr intensiv“ so Hans-Dieter Weingärtner von der Nomisgroup, ein Aussteller-Unternehmen am deutschen Gemeinschaftsstand aus dem Bereich Deutscher-Wein. Das persönliche Treffen mit Kunden sowie die intensive und direkte Betreuung und Beratung ist in Russland fundamental für ein erfolgreiches Geschäft. „Ich komme mindestens einmal pro Monat nach Moskau.“ unterstreicht Weingärtner die Wichtigkeit der direkten und kontinuierlichen Kontaktpflege zum russischen Kunden. Dazu wurde von Weingärtner auch ein Treff von russischen und internationalen Sommeliers in Russland ins Leben gerufen, die sich regelmäßig in Moskau treffen.

Im russischen Alkohol-Geschäft ist es für ausländische Unternehmen seit kurzer Zeit doppelt schwer: erstens ist es sehr aufwändig und kostenintensiv die Produkte zu importieren und den dafür richtigen Partner bzw. die geeignete Importgesellschaft für den russischen Markt zu finden. Zweitens wurden vor kurzer Zeit strenge Vorschriften bei der Bewerbung von Alkohol eingeführt. So ist es jetzt in Russland beispielsweise verboten, mit Bildern zu werben, die Personen beim Konsum von Alkohol zeigen. So erklärt Manuela Liebchen vom Deutschen Weininstitut die schwierige Lage für den Deutschen Wein in Russland. „Wir sind optimistisch“ meint dazu Dipl.-Ing. Gerald Ottes vom Weingut Karl Ottes, das dieses Jahr zum ersten Mal an der WorldFood Moskau teilnahm.

Eines der Unternehmen am deutschen Gemeinschaftsstand auf der WorldFood Moskau 2012: Weingut Sybille Kuntz aus Lieser am Mittellauf der Mosel
Eines der Unternehmen am deutschen Gemeinschaftsstand auf der WorldFood Moskau 2012: Weingut Sybille Kuntz aus Lieser am Mittellauf der Mosel

Unternehmen, welche eine eigene Struktur mit lokalen oder ausländischen Spezialisten in Russland haben, nahmen meist an der Messe teil, um Bestandskunden und Lieferanten auf Ihren Stand einzuladen und so auf lockere Art die Beziehungen zu festigen. Andere Aussteller, die nicht permanent in Moskau gegenwärtig sind, nutzen die Messe als Aufhänger, um ihre Russland-Partner, darunter vor allem Groß- und Einzelhändler der Lebensmittelindustrie vor Ort im Rahmen der WorldFood zu treffen. „Die WorldFood hat sich in den letzten 10-12 Jahren sehr gut entwickelt“ meint dazu auch Franz Schaden von der OPST Obst Partner Steiermark GmbH aus Österreich.

Durch die Messe alleine macht man jedoch in der Regel keine Geschäfte. Sie ist aber einer der wichtigen Meilensteile beim Russlandgeschäft in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie. Die richtige Vor- und Nachbearbeitung, sowie die Organisation von Master-Classes, Präsentationen und Fortbildungen sind wichtig. So veranstaltet auch Ingolf Mayer von der Plattenhardt + Wirth GmbH Fortbildungen mit eigenen Präsentationen für potentielle russische Kunden auf der WorldFood. Die GUS-Länder-Referenzliste der Plattenhardt + Wirth GmbH ist lang. Ein deutsches Unternehmen, das seit 1965 im Kühlraumbau tätig ist und in Russland mit seiner Tochtergesellschaft schlüsselfertige Kühl- und Tiefkühlräume, Gas dichte Lagerräume, Hygiene- und Reinräume, Logistikhallen, Industrie- und Gewerbebauten von der Planung, Konstruktion, Ausführung und Montage sowie After-Sales und Qualitätssicherung anbietet.

Das Geschäft ist gut. Roland Rosenzopf, Export Manager der EVA Handels GmbH aus St. Ruprecht an der Raab in der Steiermark, erwartet sich in den nächsten drei Jahren eine kontinuierliche Steigerung für das eigene Export-Geschäft von österreichischen Äpfeln nach Russland. Den richtigen Vertriebspartner zu finden, sei in Russland jedoch nicht so einfach, merkt auch er an.

Aus der Fleisch und Geflügel Branche waren die Unternehmensgruppe Gausepohl Fleisch GmbH, die Wiesenhof International GmbH & Co. KG sowie die Westfleisch e.G. mit eigenen Ständen auf der WorldFood vertreten. Von allen Befragten aus dieser Branche werden vor allem die Import Quoten als Merkmal des russischen Marktes genannt. So auch von Elena Shtyrikova, Russland-Exportmanagerin von Gausepohl Fleisch, ein deutsches Unternehmen, welches seit den Neunzigerjahren in Russland erfolgreich Geschäfte macht: „Die Import Quoten sind ein Merkmal der Branche in Russland. Sie stellen für uns aber keine Besonderheit mehr dar. Wir pflegen gute Beziehungen zu langjährigen Handelspartnern.“ Diese Quoten zu kaufen oder zu
mieten würde sich in den meisten Fällen wirtschaftlich nicht rechnen. Deshalb führt Shtyrikova weiter aus: „Eine eigene Importgesellschaft würde nur Sinn machen, wenn man eine russische Gesellschaft mit Quoten-Besitz übernimmt.“ Die Gründung einer eigenen Gesellschaft ist deshalb nicht im Business-Plan der strategischen Russlandplanung von Gausepohl Fleisch aus Dissen in Niedersachsen vorgesehen. Weiters sollen sich, nach Angaben mehrerer Aussteller, die Fronten zwischen den russischen Behörden und den deutschen Exportunternehmen der Branche aufgrund von überbordenden Veterinär-Vorschriften verhärtet und so das Geschäft erschwert haben. Dies stellt jedoch primär nur für die Geflügelbranche einen negativen Faktor dar.

Zehn der befragten Unternehmen aus Deutschland und Österreich gehen davon aus, an der WorldFood 2013 auch wieder als Aussteller mit einem eigenen Stand teilzunehmen. Vorerst geht es jedoch an die Messe Nachbearbeitung. Erst danach will sich ein Großteil der Befragten entscheiden, ob und wie sie im nächsten Jahr wieder dabei sein werden.

Sie interessieren sich für die Lebensmittelbranche in Russland? Hier der Link zum Beitrag Keine Äpfel aus der EU: Messebericht World Food Moscow 2014

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Autor: Johannes Ausserer, Managing Partner | Ausserer & Consultants

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