Das Herzstück der russischen Industriefertigung kommt aus dem Ausland

Lagertechnik auf der ITFM in Moskau
Lagertechnik auf der ITFM in Moskau

Ende September fand die ITFM – Industrial Trade Fair Moscow 2012, die führende Industriemesse in den Bereichen Industrieautomation, Oberflächentechnik, Bewegungstechnik und Intralogistik in Russland und den GUS, in der Crocus Expo Moskau statt. Zu den Organisatoren der Messe, welche sich in die Teilausstellungen IA Russia, MDA Russia, CeMAT Russia und Surface Russia aufteilt, gehören die russische Messegesellschaft ITE Moscow und die Deutsche Messe aus Hannover. Durch diese Zusammenarbeit hat sich die ITFM in den letzten Jahren zur Fachmesse für alle Aspekte der industriellen Fertigung entfaltet, auf welcher die neuesten Technologien und internationalen Entwicklungen der Branche gezeigt werden. So waren auch eine Vielzahl deutscher Unternehmen als Aussteller, entweder am Gemeinschaftsstand des deutschen Pavillons, oder als Individualaussteller, vor Ort in Moskau vertreten.

Wenn es um Automation und Intralogistik bei der Industriefertigung in Russland geht, kommt das Herzstück oft aus dem Ausland. So auch beim neuen Logistik- und Distributionszentrum des schwedischen Kosmetikunternehmens Oriflame. Ein Projekt welches in den nächsten Monaten von der österreichischen Firmengruppe Knapp AG fertig gestellt werden wird. Das Unternehmen aus Hart bei Graz welches Intralogistik-Lösungen und die Automatisierung von Lagerhäusern anbietet macht seit Jahren in Russland erfolgreich Geschäfte und ist langjähriger Aussteller auf der Weltleitmesse CeMAT in Hannover sowie auf der Teilausstellung CeMAT Russia in Moskau. „Es wird alles größer in Russland“ signalisiert Sven Waldhaus, Vice President Sales der Knapp AG, und meint damit auch die eigenen Projekte. Jedoch merkt auch er die relativ langen Anlaufzeiten sowie den erschwerten Kapital-Zugang als Einflussfaktoren an, welche typisch für das Russlandgeschäft sind und sich beim Geschäftsabschluss in Russland dynamisch entwickeln können. Deshalb ist eine kontinuierliche Präsenz und eine intensive Bearbeitung des Marktes vor Ort sehr wichtig um immer am Stand der Dinge zu bleiben.

Unter den Experten im Anlagenbau war auch die deutsche Eisenmann AG vertreten. Einer der international führenden Systemanbieter für Oberflächentechnik, Umwelttechnik, Materialfluss-Automation und Hochtemperatur-Prozesstechnik. Alexej Wergurow wies dabei auch auf die lange Russlanderfahrung hin, welche das Unternehmen mit seinen seit den Neunziger Jahren agierenden russischen Tochtergesellschaften mit sich bringt. Zu den direkten Wettbewerbern des Systemanbieters aus Böblingen gehören neben einem japanischen Unternehmen hauptsächlich deutsche Gesellschaften wie die ROFA Rosenheimer Förderanlagen oder die Schierholz Fördertechnik GmbH aus Bremen.

In Russland ist es generell so, dass viele relativ kleine Werke mit Produktions-, Lager- und Distributionsstätten errichtet werden. Dies lässt sich hauptsächlich auf die großen Entfernungen, die Voraussetzungen der Infrastruktur sowie den dadurch erschwerten Transport zurückführen. In Mittel- und Westeuropa sind die Wege von einem bis zum nächsten Ballungszentrum um einiges kürzer und die Infrastruktur um einiges besser. Deshalb werden dort grössere Hallen bevorzug im Vergleich zum russischen Markt, erläutert Wergurow. Jedoch ist die schlussendliche Größe dann auch stark vom Geschäftsbereich des Auftraggebers abhängig.

Fachbesucher auf der ITFM - Industrial Trade Fair Moscow
Fachbesucher auf der ITFM – Industrial Trade Fair Moscow

Die deutsche Firmengruppe SSI Schäfer, ein Komplettanbieter und Komponentenhersteller für Lager- und Fördersysteme, hat in Russland hauptsächlich Kunden aus den Bereichen Lebensmittel- und Tiefkühlindustrie sowie aus der Pharmazie. Seit 2011 hat die Firmengruppe auch eine eigene Gesellschaft in St. Petersburg, erwähnt Johannes Spiesberger, Verkaufs- und Marketing Direktor, und für das Business Development der Gruppe in Russland verantwortlich. Die Wahl des Standorts St. Petersburg ist eigentlich zufällig durch die gute Beziehung zu einem wichtigen russischen Partner entstanden.

Die richtigen Partner für das Geschäft in Russland sind also sehr gefragt. So hat sich auch die I.D. Systems GmbH aus Düsseldorf aufgrund eines ersten großen Projekts mit einem russischen Partner für eine Erstausstellung auf der ITFM in Moskau entschieden. In Deutschland ist der Automatisierungsgrad um einiges höher, in Russland wird noch mehr mit Personaleinsatz abgewickelt. Das ist Lohnniveau bedingt, zeigt Dieter Engler die Unterschiede der Märkte auf.

Die Messe hat sich in der letzten Zeit gut entwickelt. Die vielen Anbieter aus dem Gabelstapler-Bereich, welche meist Elektrostapler und andere Lagertechnik für ein hauptsächlich mit Personal geführtes Lager-Management im Angebot haben, sind mit ihren Vorführung und Unterhaltungs-Shows eine der großen Anzugspunkte für die Besucher auf der Messe. So hat auch die Firmengruppe Clark, ein internationales Unternehmen der Branche welches auf der Messe durch ihre deutsche Gesellschaft Clark Europe GmbH vertreten war, den Produktionsstart des neuen Models der GEX-Serie mit einer Ladekapazitäten von 4.000 bis zu 5.000 kg bekanntgegeben. Jedoch erfreuen sich auch gebrauchte Gabelstapler in Russland großer Beliebtheit. Die Trafik Bremen Transportgeräte Handelsgesellschaft, international einer der größten herstellerunabhängigen Anbieter von gebrauchten Gabelstaplern, ist seit rund fünf Jahren in Russland aktiv und agiert in Russland mit mehreren größeren Vertriebspartnern. Eine eigene Struktur ist in Russland jedoch nicht geplant, so Vertriebsleiter Ronald Pöhls über die weiteren Pläne in Russland.

Unter den Ausstellern am deutschen Gemeinschaftsstand, rund um den deutschen Pavillon, waren beispielsweise der VDMA Verband der Deutschen Maschinen- und Anlagenbauer, vertreten durch den Russland-Geschäftsführer Volkmar Clauß, die Volz Gruppe GmbH mit Ihrer russischen Gesellschaft, die Atlanta Antriebssysteme GmbH, die Walter Stauffenberg GmbH oder auch die HAWE Hydraulik SE aus München. Unter den Befragten merkten mehrere Aussteller an, dass es viele Gespräche und Anfragen von russischen Besuchern gab. Jedoch waren diese oft wenig strukturiert. So wird erst durch die intensive Messe-Nachbearbeitung und die weitere kontinuierliche Kontaktpflege zu den russischen Kunden ersichtlich machen, ob die Gespräche Früchte tragen. Die deutschen Aussteller stehen dem jedoch durchwegs optimistisch gegenüber, so plant eine Vielzahl der befragten Unternehmen auch eine Teilnahme an der ITFM im nächsten Jahr.

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Autor: Johannes Ausserer, Managing Partner | Ausserer & Consultants

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