Deutschland, Österreich und die Schweiz auf der AgroProdMash Moskau

Deutschland, Österreich und die Schweiz auf der AgroProdMash Moskau
Deutschland, Österreich und die Schweiz auf der AgroProdMash Moskau

Russland, ein Land mit mehr als 145 Millionen Einwohnern auf mehr als 17 Millionen Quadratkilometern Fläche: man sollte meinen, Russland produziert seine Lebensmittel selbst. Anbaufläche und Arbeitskräfte gäbe es zur Genüge, aber nicht immer kann alles entsprechend genützt werden. Also wird heutzutage noch viel importiert, ausländisches Know-how und Technik sind gefragt. Das wurde auch auf der AgroProdMash Moskau 2012, der internationalen Ausstellung für Maschinen, Ausrüstung und Zutaten für die Lebensmittelindustrie eindeutig klar. Unter den deutschsprachigen Ausstellern waren mehr als 80 Unternehmen vor Ort, unter ihnen neun aus Österreich, drei aus der Schweiz und der weitaus größte Teil mit rund 70 Unternehmen aus Deutschland. Auf der Messe wurden unter anderem Lösungen zur Effizienzsteigerung, modernste Technologien sowie Produkte für alle Stufen der Lebensmittelverarbeitung, also von der Rohstoffverarbeitung, der Lebensmittelherstellung und der Lagerung bis zum Verkauf gezeigt.

Erste Anlaufstelle für alle Interessierten am „Made in Germany“ war auch dieses Jahr der deutsche Pavillon. Bereits zum dritten Mal wurde ein Gemeinschaftsstand vom deutschen Bundesministerium organisiert: ein Angebot, welches in den letzten Jahren im Schnitt rund 40 der deutschen Aussteller nutzten, um ihre Produkte, Maschinen oder Dienstleistungen auf der AgroProdMash dem russischen Fachpublikum zu präsentieren. „Es ist ein Sprungbrett für deutsche Unternehmen“ so Dr. Reinhard Roßberg, Delegierter des deutschen Bundesministeriums. Manche Aussteller, die in den ersten Jahren unter der Flagge des Gemeinschaftsstandes ihre Angebote anpriesen, sind jetzt mit individuellen Ständen vertreten, beobachtet Dr. Roßberg die positive Entwicklung der deutschen Unternehmen. Für einen Markteintritt in Russland gibt es derzeit ideale Voraussetzungen mit tatkräftiger und finanzieller Unterstützung. Intensiviert und vergrößert sich das Russlandgeschäft dann entscheiden sich deutsche Unternehmen für eine individuelle Stand-Gestaltung. Dies äußert sich dann entweder in betriebsinternen Vorgaben wie dem Corporate Design zum Beispiel oder die Auflagen für eine Unterstützung durch das Ministerium werden aufgrund bereits erzielter Geschäftserfolge in Russland nicht mehr erfüllt und so kann das Unternehmen keine Unterstützung mehr beantragen.

Die Stimmung unter den befragten Ausstellern war gut, denn die Messe wurde vom russischen Fachpublikum positiv angenommen, auch wenn die Zufriedenheit unterschiedlich begründet wurde. Im Forum, der zentralen und größten Ausstellungsfläche im Expocentre Moskau, erfreuten sich mehrere Aussteller über eine hohe Anzahl an Laufkundschaft. In den anderen Pavillons überwogen die abgesprochenen Treffen mit russischen Partnern, mit denen die Aussteller bereits Geschäftsbeziehungen pflegten. Die Zeit wurde aber voll genützt und es gab meist nur sehr kurze Zwischenpausen. So meinte auch die Assistentin eines österreichischen Unternehmens: „Bis zum Ende der AgroProdMash ist praktisch kein freier Termin mit unserem Geschäftsführer mehr zu finden“. Der Stand war voll von interessierten russischen Partnern und Fachkunden, welche sich ein Bild von der ausländischen Technik und deren Vorteile machten. Vereinzelt waren Aussteller jedoch mit dem Standangebot der Veranstalter nicht zufrieden. So war der dritte Pavillon praktisch komplett abgeschirmt vom Rest des Geschehens. Wer nicht explizit danach suchte oder einen Aussteller dort kannte, den er besuchen wollte, erfuhr wahrscheinlich erst gar nicht, dass es dort auch noch eine Vielzahl an internationalen Unternehmen aus der Branche gab.

Eines der Unternehmen im dritten Pavillon war die schweizerische Bucher Unipektin AG. Auch Kolumban Vogt, Sales Manager International der Gesellschaft, war über den diesjährigen Standplatz nicht sehr erfreut. Die Russlandgeschäfte laufen aber gut. Seit 1998 hat die Bucher Unipektin AG eine eigene russische Repräsentanz. Das Potential des russischen Marktes ist also ungebrochen und es werden Geschäfte abgeschlossen. Jedoch mangelt es teilweise an den Rohstoffen: es gibt zu wenig Milch, es gibt zu wenig Äpfel in Russland. Ein großer Teil davon muss importiert werden. Wenn das Interesse an der Landwirtschaft weiter steigt, zieht auch der Import von Maschinen zur Lebensmittelverarbeitung an. So sieht man auch für Anlagen für die Fest-Flüssig-Trennung, die Filtration, die Saftbehandlung und Konzentrat-Herstellung in Russland guten Zeiten entgegen.

 Ausländisches Know-how und Technik sind in Russland gefragt
Ausländisches Know-how und Technik sind in Russland gefragt

Wo liegen aber weitere branchenbezogene Unterschiede zu den Märkten in Westeuropa? Wie im gesamten osteuropäischen Raum ist auch in Russland das Schweinefleisch sehr beliebt. So macht auch die Schauer Agrotronic GmbH aus Parmbachkirchen in Österreich, die in Russland vorwiegend Innenausstattung von Schweineställen, computergesteuerte Futtersysteme sowie Monitoring und Farming-Kontrollsysteme anbietet, gute Geschäfte. Wolfgang Etzl, Geschäftsführer in Russland, sieht deshalb gute Voraussetzungen für einen weiteren Ausbau der Geschäfte. Auch die Rembe Safety + Control GmbH aus Brilon im östlichen Sauerland in Nordrhein-Westfalen zieht eine erfolgreiche Osteuropa-Bilanz. Der Umsatz in Russland ist in der letzten Zeit rasch gestiegen, zeigt sich Eugenia Nickel, Business Development Managerin Eastern Europe, sehr erfreut.

Doch wie hat sich das Geschäft in den letzten Jahren entwickelt, gab es Veränderungen? Vor etwa 10 Jahren war es teilweise so, dass man mit einem Duzend Maschinen zur Messe kam und sie alle vom Stand weg verkaufte. Heute ist das anders. Auch der russische Kunde vergleicht jetzt mehr, ist fachkundiger, hat genaue Vorstellungen darüber, was er sucht und zahlt seine Einkäufe am liebsten in Rubel. Ausländische Unternehmen, die in Russland erfolgreich sein wollen, müssen sich danach richten. „Es hat sich Vieles zum Guten verändert beim Russlandgeschäft“ so Patrick Döpfner, Geschäftsführer von Ferrostaal-Russland, ein weltweit tätiger Anbieter von Industriedienstleistungen im Anlagen- und Maschinenbau, welcher in den letzten Jahren das Russlandgeschäft Schritt für Schritt vom Exportgeschäft, zur eigenen Repräsentanz bis zur eigenen Russland-Tochtergesellschaft ausgebaut hat. „Wir nehmen über das Jahr verteilt an mehreren Fachausstellungen in Russland teil“ erläutert Döpfner weiter. Messen sind ein wichtiger Bestandteil für ein erfolgreiches Geschäft. Für eine positive Entwicklung der Geschäftsbeziehungen mit Russland muss man an den wichtigsten Veranstaltungen im Jahr teilnehmen und präsent sein. Für die Lebensmittelverpackung ist so beispielsweise auch die Upakovka, eine internationale Verpackungsmesse, welche alljährlich Ende Januar in Moskau stattfindet, eines der Highlights der Branche in Russland.

Bei der Frage nach negativen Einflussfaktoren beim Russlandgeschäft wurden die klassischen Herausforderungen erwähnt: die Kontrollierbarkeit eigener Strukturen, der Import sowie die gesamte Zollabwicklung und generell die russische Bürokratie. Letztere wurde von Vertretern der Branche vereinzelt sogar als endlos gebrandmarkt.

Zeitgleich zur AgroProdMash fanden in Moskau zwei weitere Fachausstellungen der Bereiche Lebensmittel, Agrar- und Landwirtschaft statt: die Golden Autumn – so zusagen die „Grüne Woche“ Russlands mit der Teilausstellung AgroTech Russia, sowie der Agrosalon im Crocus Expo-Centre. Auch bei diesen Veranstaltungen gab es eine zahlreiche ausländische Ausstellerbeteiligung. An der AgroProdMash, der internationalen Ausstellung für Maschinen, Ausrüstung und Zutaten für die Lebensmittelindustrie hält jedoch der Großteil der Aussteller fest und kündigt seine Teilnahme auch für das nächste Jahr im Rahmen des deutschen Gemeinschaftstandes oder als Individualaussteller an.

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Autor: Johannes Ausserer, Managing Partner | Ausserer & Consultants

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