Russland-Fokus beim Osteuropa Wirtschaftstag in Berlin

Eindrücke vom Osteuropa Wirtschaftstag im Haus der Deutschen Wirtschaft in Berlin
Eindrücke vom Osteuropa Wirtschaftstag im Haus der Deutschen Wirtschaft in Berlin

Am 13. November dieses Jahres wurde im Haus der Deutschen Wirtschaft in Berlin zum Osteuropa Wirtschaftstag 2012 geladen. Dabei handelt es sich um das absolute Leit-Event des OMV Ost- und Mitteleuropa Vereins, bei dem rund 300 hochrangige Führungskräfte aus der Privatwirtschaft, sowie Vertreter aus Politik und Verbänden des Osteuroparaumes teilnahmen. Das Hauptaugenmerk wurde dieses Jahr auf die Finanzierung, das Ressourcenmanagement und die Markterschließung im Osteuropageschäft gelegt. Aufgrund der Größe und der enormen Marktchancen Russlands zeichnete sich bei den Podiumsdiskussionen ein Fokus auf den Vielvölkerstaat ab, gefolgt von anderen GUS-Ländern, wie der Ukraine, Kasachstan, Weißrussland und Georgien. Mit der Rede des serbischen Ministerpräsidenten Ivica Dačić wurde die hochklassige Veranstaltung in Berlin von politischer Seite abgerundet.

Eröffnet wurde der Osteuropatag von Klaus Olbricht, Vizepräsident der DIHK, Dr. Gerd Lenga, Vorsitzender des Vereins und Stefan Kapferer, Staatssekretär des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie.

Klaus Olbricht begrüßte die Kammergründung der AHK in Azerbaijan, welche am 11. November dieses Jahres in Baku ihre Tätigkeit aufnahm. Dr. Lenga unterstrich in seiner Rede die Solidität der deutschen Wirtschaftszahlen im Ostgeschäft und hob die voranschreitende Regionalisierung des Ost- und Mitteleuropa Vereins hervor. Neben der Geschäftsstelle in Hamburg und dem Hauptstadtbüro in Berlin wurde im März dieses Jahres eine Repräsentanz des Vereins in Stuttgart eröffnet, um den Mitgliedern in Süddeutschland näher zu sein. Der Verein lebt von seinen Mitgliedern und so soll dieser Weg kontinuierlich weitergegangen werden. Für 2013 steht deshalb die Eröffnung eines weiteren Vereinsbüros in Leipzig in der Agenda. Last but not least sprach Staatssekretär Kapferer in seiner Begrüßungsrede primär über den russischen Markt und den wichtigen Beitritt Russlands in die WTO. Außerdem warf er in seiner Rede einen Blick auf die Zollunion Russland, Weißrussland und Kasachstan.

Finanzierung des Osteuropageschäfts: In der Podiumsdiskussion zum Thema „Finanzierung des Osteuropageschäfts“ spielten Russland, das „Hausbank Prinzip“ sowie Exportversicherungen eine zentrale Rolle.

Dabei wurde durchwegs das „Hausbank Prinzip“ als typisches Finanzierungsmodell in Osteuropa genannt. Dem Unternehmen wird eine Gründungs-, Wachstums- oder Brückenfinanzierung über die Hausbank gewährt. Die staatlichen Förderbanken stellen Kredite zur Verfügung, die von der Hausbank an die Kreditnehmer durchgereicht werden. Die Hausbank übernimmt die Prüfung des Unternehmens, also des Kreditnehmers, beurteilt dessen Pläne und entscheidet letztendlich, ob sie das Vorhaben begleitet und einen Antrag bei der Förderbank stellt. Vorteile sind dabei, dass sich die Hausbank und das Unternehmen in der Regel schon kennen und somit die Beurteilung des Vorhabens leichter fället – unterstütz durch das Vertrauensverhältnis zwischen Kunde und Bank.

Im Russland-Fokus wurde die Gründung der EXIAR – Russian Agency for Export Credit and Investment Insurance -, welche das Angebot der Exportversicherungen unterstützt, begrüßt. Darauf wies Andrej Iwanow, Head of Trade Finance and Foreign Investments Division der russischen Sberbank hin.

Ressourcenmanagement in Osteuropa: Die Faktoren Zeit, Mitarbeitermanagement, deren Führung und Motivation, sowie der richtige Kapitaleinsatz spielen sehr wichtige Rollen beim Aufbau, der Strukturierung und der Erweiterung des Geschäfts, egal ob man sich in Mittel- oder Osteuropa befindet. Hervorgehoben wurde dies durch eine spezifische Einführung zum Thema und durch Praxisbeispiele. Wie Ressourcen bestmöglich eingesetzt werden können, hängt oft jedoch vom Geschäft selbst sowie dem derzeitigen Aufbau der Osteuropa-Struktur der Gesellschaften ab. Unter den Experten dieser Diskussion waren Ulrich Steinert, Russland Generalbevollmächtigter der Basalt AG, der die Staaten Russland, Ukraine und GUS betreut, Edda Wolf, Senior-Osteuropa-Referentin der GTAI sowie Michael Harms, Vorstandsvorsitzender der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer in Moskau.

Osteuropa-Markterschließung: Angesprochen wurden bei diesem Thema zunächst die Formalitäten bei Ausschreibungen, die Wahl der richtigen Rechtsform sowie Besonderheiten im Steuerwesen in Osteuropa.

Zu den Ausschreibungen sprach Frau Uta Beyer von der deutschen Wirtschaftsvereinigung Georgien über die Digitalisierung des Ausschreibungsverfahrens. Bis vor kurzer Zeit war das Einreichen von Ansuchen ausschließlich in Papierform möglich, was die Auftragsvergabe oft unübersichtlich und aufwändig gestaltete. Durch die Digitalisierung bzw. die Ermöglichung einer Online-Einreichung, auch in Anbetracht der oft sehr engen Zeitfenster von teilweise nur drei Wochen, ergeben sich so für deutsche Unternehmen neue Marktchancen. Die Deutsche Wirtschaftsvereinigung in Georgien bietet interessierten Unternehmen bei diesen Ansuchen ihre Unterstützung an.

Wurden Aufträge an Land gezogen, ist die Wahl der richtigen Rechtsform eine der ersten Fragen, die beantwortet werden muss. Die Experten erinnerten die Teilnehmer daran, dafür genügend Zeit einzuplanen. Gesellschaftsgründungen in Russland oder der Ukraine können weitaus längere Zeit in Anspruch nehmen, als dies beispielsweise in Deutschland der Fall wäre. Bedingt durch die Visa- und Arbeitserlaubnis Situation von ausländischen Mitarbeitern können sich Prozesse weiter in die Länge ziehen. Positiv hervorgehoben wurde dabei jedoch das Verfahren für hochqualifizierte, ausländische Fachkräfte, welches innerhalb von rund 4 bis 6 Wochen eine dreijährige Arbeitserlaubnis für Führungskräfte in Russland ermöglicht.

Als Hürden beim Ostgeschäft wurden die umfangreiche Bürokratie sowie Schwierigkeiten bei der Umsatzsteuer-Rückerstattung in Russland angeführt. Einen Einblick in die Praxis, mit Schwerpunkt auf die Ausbildung der Mitarbeiter, gab die Unternehmensgruppe Knauf, welche in Russland ihre Mitarbeiter und Vertriebspartner durch hauseigene und produktspezifische Schulungsprogramme an drei Standorten in Russland weiterbildet.

Abgerundet wurde der Osteuropa Wirtschaftstag durch die Rede des serbischen Ministerpräsidenten Ivica Dačić und des serbischen Wirtschaftsministers im Atrium der Deutschen Bank in Berlin. Gefolgt von einem vorzüglichen Buffet und der Möglichkeit eines ersten Get-Togethers, um sich mit anderen Unternehmern und Verantwortlichen des Osteuropageschäfts über Erfahrungen und Kooperationsmöglichkeiten auszutauschen.

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Autor: Johannes Ausserer, Managing Partner | Ausserer & Consultants

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