Future Dialogue in Skolkovo: Autonomy, Brains, Capital

Future Dialogue in Skolkovo: Autonomy, Brains, Capital
Future Dialogue in Skolkovo: v.l.n.r. Peter Gruss (Präsident Max-Planck-Gesellschaft), Delia Meth-Cohn (Consulting Editor, The Economist Group), Dmitri Medwedew (russischer Premierminister), Peter Löscher (Präsident und CEO Siemens AG) und Viktor Vekselberg (Präsident Skolkovo Foundation).

Die diesjährige Konferenzreihe Future Dialogue: Business, Wissenschaft und Politik in einer sich verändernden Welt fand zum vierten Mal nach Berlin 2009, Beijing 2010 und Delhi 2011, am 9. und 10. April 2013 in Moskau statt. Die Kooperation der Skolkovo Foundation, der Max-Planck-Gesellschaft und der Siemens AG hat vielen Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik die Möglichkeit gegeben sich intensiv zur lokalen Innovationskraft und internationalen Zukunftsperspektive Russlands auszutauschen. Die Organisation wurde von der Intelligence Unit der Economist Group durchgeführt.

Den Einstieg in das globale Thema „Wie entsteht Innovation?“ machten Peter Löscher, Präsident und CEO Siemens AG, Peter Gruss, Präsident Max-Planck-Gesellschaft, Viktor Vekselberg, Präsident Skolkovo Foundation und Silvio Meira, Leitender Wissenschaftler, CESAR, Brasilien. Das Podium im Hypercube von Skolkovo wurde von Delia Meth-Cohn, Consulting Editor, The Economist Group, geleitet.

Peter Löscher betonte, dass Innovation neue Ideen in neue Prozesse münden läßt. Siemens steht für die allumfassende Erneuerung der technologischen Gesamtstrukturen und kann als Global Player die besten umfassenden Erneuerungsoptionen im Technologiebereich anbieten. Dafür müssen die richtigen Anreizstrukturen im jeweiligen lokalen Markt vorhanden sein, damit die Energieeinsparmöglichkeiten von beispielsweise 44-49% in Ekaterinburg auch umsetzbar sind. Peter Gruss brachte es mit seiner ABC-These auf den Punkt, wie die Grundbedingung für Innovation hergestellt werden kann: Wir brauchen unabhängige Wissenschaftler (Autonomy), wir brauchen die besten Köpfe (Brains) und eine solide Finanzbasis (Capital). Gruss betonte ebenfalls, dass die Makroeffekte von Grundlagenforschung eine zentrale Rolle in der Investitionsanalyse staatlicher Institutionen spielen muss. Oft wird zu kurzfristig gedacht und Mikroanalysen führen zur frühzeitigen Beendigung vielversprechender Langzeitprojekte. Viktor Vekselberg machte klar, dass es in Russland zu einem Mentalitätswandel der Wissenschaftler kommen muss. Sie müssten Grundlagenforscher, Entwickler und Realisierer in Personalunion sein. Auch ein Biologe muss wirtschaftlich denken. Es muss beides in Russland geben: Wissenschaftstürme wie Skolkovo und gesamtgesellschaftliche Veränderungen. Die Entstehung einer Vertrauenskultur in Russland, die zum Teilen von Ideen und Gedanken führt. Silvio Meira legte den Fokus auf die Langfristigkeit von Innovation und die Kurzfristigkeit von Politik. Der Makro-Mikro-Kampf zerstöre oft Innovation. Wenn es zu einer Verhaltensänderung aller Akteure kommt, kann man von Innovation sprechen. Die Menschen haben die Veränderung „gekauft“.

Das Plenum war sich einig, dass es zu globalen Anpassungen der Regelung intellektueller Eigentumsrechte kommen muss. Es gibt verschiedene Modelle auf der internationalen Bühne mit Vor-und Nachteilen. Ziel muss sein, dass die Teilung des Wissens zu gesamtgesellschaftlichem Mehrwert führt und dennoch dem Entwickler Möglichkeiten bietet, von seiner Innovation einen finanziellen Mehrwert zu erhalten.

Im Abschluss betonte der Siemens-Präsident, dass es mehr Skolkovos in Russland geben muss, der Skolkovo-Präsident plädierte für höhere Gehälter für Wissenschaftler, der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft legte den Fokus auf die Bündelung des kreativen russischen Potentials und der IT-Wisschaftsleiter aus Brasilien forderte zeitgemäße administrative Strukturen, um erfolgreich innovatives Business machen zu können.

Am Folgetag wurden die Synergiepotentiale von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik in zwei Hauptrunden tiefer erörtert. Den Anfang machten die Expertenrunden zu Bildungsinstitutionen und zur Rolle der Regierung im Innovationsprozess.

Eine gut gemischte Gruppe aus russischen Regierungsvertretern, in- und ausländischen Wissenschaftlern, Politikern und Wirtschaftsvertretern produzierte vielversprechende und wegweisende Erkenntnisse, die es im lokalen und internationalen Kontext umzusetzen gilt. Beispielsweise betonte Allyson Reed, Universitätsprofessorin Warwick/UK, dass die Regierung und öffentliche Hand sich auf Kernfelder in der Grundlagenforschung konzentrieren müssen. Kein Land der Welt kann alles machen. Die Aufgabe des Staates ist es, multidisziplinäre Kooperationen zu fördern, die ohne staatliche Anschubfinanzierung am freien Markt nicht entstehen würden. Fortsetzend stellte Hans Gersbach von der ETH Zürich fest, dass jeder Staat sich für seine langfristige Forschungsstrategie so einstellen muss, dass die Gelder auch noch in 10-15 Jahren für das Ursprungsprojekt fliessen können. Der Weg bis zur Kommerzialisierung ist schwer. Es muss einen Fokus der jeweiligen Ökonomie geben, allerdings kann zuviel „Targeting“ auch schädlich sein.

Der Wandel der Bildungsinstitutionen muss schneller vorangehen. Anders Flodström, Direktor EIT ICTLabs aus Schweden betonte die neue Lern- und Methodendynamik der heranwachsenden Generationen. Die siebenjährige Enkelin, die alle Techniken der Status-quo-Generation kennt fragt: Was kommt als Nächstes? Der Anpassungsdruck kommt von emanzipierten Schülern, Studenten und Eltern auf die Schulen und Universitäten zu. Die Fortsetzung machten die Expertenrunden zu Forschung&Entwicklung und Finanzierung von Innovativen durch Angel Investors, VCs und dem Staat.  Heutzutage können selbst Großkonzerne wie Siemens nicht alle Lösungen mit internen Ressourcen liefern. Das Zusammenspiel der Elefanten und Mäuse muss für beide Seiten gewinnbringend sein. Der schweizer Innovationsarchitekt Joachim von Heimburg betonte, dass offene Innovation bedeutet, dass man die Idee preisgibt, um die beste Lösung auf dem Weltmarkt zu erhalten. Offene Innovation bedeute allerdings nicht, dass man seine Forschungs- und Entwicklungsarbeit auslagert, sondern man entscheidet sich für partnerschaftliche Modelle, die zum Ergebnis führen, dass die Idee bestmöglich umgesetzt wird.

Den großen Vorteil der innovativen KMUs sieht Klaus Helmrich, CTO Siemens, in der Nähe zum Kunden. Große Elefanten bieten den kleinen Mäusen FuE-Hubs, die zu einer weltweiten Implementierung der derzeit bestmöglichen Standards beitragen. Smarte und zuverlässige Energienetze, offener Austausch und Informationsbündelung aller Betreiber sind unabdingbar, um eine reibungslose Energieversorgung herzustellen, stellt Vladimir Sofyin, Direktor für Innovationsentwicklung OAO FSK EES, fest.

Das Foyer des Hypercubes in Skolkovo: Dialoge, Netzwerken und Austausch beim Future Dialogue 2013
Das Foyer des Hypercubes in Skolkovo: Dialoge, Netzwerken und Austausch beim Future Dialogue 2013

Ingenieure denken nicht Zukunft, sie finden Lösungen im Jetzt. Welche Zukunft sehen wir? Derzeit leben zirka zwei Milliarden Menschen auf dem US-Europa-Lebensstandard, man schätzt, dass es im Jahre 2040 etwa fünf Milliarden Menschen sein werden. Dieser Beitrag von  Alexander Chikunov, CEO Rostock Group, brachte die Runde auf eine andere Ebene. Es wurde festgestellt, dass es einen großen Unterschied gibt, zwischen dem was wir wissen und dem was wir tun. Wissenschaftler und Entscheider liegen hier weit auseinander.

Anschließend wurden alle Expertenrunden von Eduard Kanalosh, Investment Direktor, Skolkovo Foundation und Edward Crawley, Präsident Skoltech, zusammengefasst. Es gibt Finanzkapital, allerdings fliesst der überwiegende Teil in anwendungsorientierte Forschung. Grundlagenforschung bekommt nur einen sehr geringen Anteil vom Kuchen ab. E-Commerce bringt der russischen Wirtschaft zwar mittelfristige Wachstumsschübe, allerdings wird es nicht die gesamtgesellschaftliche Modernisierung vorantreiben. Hierbei spielen auch die Schulen und Universitäten eine entscheidende Rolle. Staatliche Institutionen müssen sich mehr öffnen und die Rahmenbedingungen für private Bildungsinstitutionen optimieren. Dabei sind positive Beispiele wie die Yandex- und Sperbankuniversität hervorzuheben. Davon muss es noch viel mehr geben, da der Staat den Bildungsauftrag nicht mehr allumfassend erfüllen kann.

Der Staat muss Strukturen herstellen, die langfristige Innovationsprojekte finanzieren und eine Kultur der Offenheit, der höheren Risikobereitschaft und des (Mehr)Teilens muss entstehen, die es zukünftigen Wissenschafts-, Politik- und Wirtschaftsnachwuchskräften möglich machen im Team gemeinsam die großen Fragen anzugehen.

Den Höhepunkt bildete die Keynote von Dmitri Medwedew, russischer Premierminister, der erst kürzlich am 29.März 2013 ein Staatsprogramm unterzeichnet hat, welches den Modernisierung-Fahrplan bis 2020 festlegt. Der Premier betonte, dass ein solcher Weg nicht isoliert gegangen werden kann und es der internationalen Kooperation bedarf. Hierbei ist der Sapsan von Siemens ein gutes Bespiel von hochtechnologischer Spitzentechnik und funktionierender internationaler Kooperation, wie Peter Löscher in seinem Abschlussstatement feststellt. Viktor Vekselberg betonte nochmals die Bedeutung der vollen Integration Russlands in die internationale Staatengemeinschaft. Die Energiekraft Russlands müsse in alle Regionen strahlen, somit bedarf es großer Verbesserungen der gesamten russischen Infrastruktur. Peter Gruss unterstrich in seiner Zusammenfassung, dass Skolkovo ein vielversprechender Ansatz sei, denn es weiterhin zu fördern gilt. Vor Allem die Kooperation mit Skoltech hat schon für die Max-Planck-Gesellschaft zu fruchtbaren Ansätzen geführt.

Auch die Staatsministerin des Außwärtigen Amts, Cornelia Pieper, ergriff die Chance dem Premier Medwedew die besten Grüße vom deutschen Außenminister auszurichten und dankte der russischen Regierung für die gute Zusammenarbeit.

Abschliessend wünschte Dmitri Medwedew allen Teilnehmern eine gute Stimmung und die Teilnehmer konnten die zwei intensiven Konferenztage bei leckeren Snacks und Getränken im Foyer des Hypercubes ausklingen lassen. Bleibt zu Hoffen, dass aus dem vielen innovativen Wissen, viel innovatives Handeln entsteht.

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Autor: Felix Heinicke, General Director | Heinicke Consulting LLC

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