Abfallverwertung in Russland

Abfallverwertung in Russland
Abfallverwertung in Russland

Russland ist ein zentralisiertes Land und vieles was hier geschieht, nimmt seinen Anfang in Moskau. Dies betrifft auch die Abfallverwertungswirtschaft des Landes, denn in der Millionenmetropole grenzen die Deponien an ihre Kapazität und der Platz ist knapp. Abfallmanagement, Recycling und Umwelttechnologien stehen in Russland nach wie vor auf einem niedrigeren Entwicklungsstand. Deutsche Technologieproduzenten der Abfallverwertungsbranche sehen deshalb hier richtigerweise ein enormes Potenzial auf dem russischen Markt.

Dass es weit umweltfreundlichere und effizientere Lösungen gibt, als den Müll auf überquellende Deponien zu werfen oder im Verbrennungsofen zu entsorgen, ist altbekannt. Auch in Russland.

Der enorme Rohstoffreichtum und die weiten Flächen Russlands gepaart mit den niedrigen Tarifen für die Müllentsorgung hatten in der Vergangenheit nur selten Anreize geschaffen, sich um die Müllvermeidung, die Mülltrennung und -verarbeitung zu kümmern. Dass sich durch fachgerechte Entsorgung und Recycling neue Geschäftschancen ergeben, muss in vielen Fällen deshalb oft noch kommuniziert werden. Die Recyclingquoten liegen derzeit noch auf einem sehr niedrigen Prozentsatz, egal ob es sich um Altpapier, Kunststoff, Reifen oder Altglas handelt. Der Reformdruck, sich um richtige Trennung und Recycling zu kümmern, steigt jedoch täglich, besonders in den Großstädten der Föderation. Dort wird der Platz auf den Deponien besonders knapp und die Grundstückspreise für eine flächenmäßige Erweiterung sind hoch.

So ist beispielsweise in der 1,5 Millionenstadt Novosibirsk seit 2012 ein Fünfjahresprogramm im Gange, welches 26 Deponien und fünf Anlagen zur Verarbeitung von Müll beinhalten soll. Mit Abschluss des Projektes im Jahre 2016 soll die Region Novosibirsk zu den Recycling-Spitzenreitern der russischen Föderation gehören.

Mit Russland finden innovative Unternehmen der Abfallbewirtschaftung aus Westeuropa einen hochinteressanten Markt mit enormem Entwicklungspotenzial vor. Das Abfallmanagement in der Russischen Föderation ist auf ausländisches Know-how angewiesen und besonders spezialisierte deutsche Ingenieurbüros, Maschinen- und vor allem Technologieproduzenten dieses Sektors sehen deshalb große Chancen, einen Teil dieses Kuchens abzubekommen.

Doch wie erhalten deutsche Unternehmen Aufträge in diesem innovativen Bereich, wo können Kontakte geknüpft werden und wie kann ein interessiertes Unternehmen mit potenziellen Kunden ins Gespräch kommen? Zu den wichtigen Terminen dafür gehören in Moskau einerseits die WasteTech im Mai als auch die Wasma im Oktober. Was die Aussteller- und Besucherzahlen betrifft, ist dabei die WasteTech das Top-Event. Es ist eine Plattform, auf welcher sich der russische Kunde eingehend und umfassend über die neuesten Entwicklungen, Trends, Dienstleistungen und Produkte aus den unterschiedlichsten Bereichen vom Abfallmanagement bis hin zu erneuerbare Energie und Umwelttechnologien informieren kann. Die WasteTech führt alle wichtigen Marktteilnehmer und Experten unter einem Dach zusammen. Hier ergeben sich sehr gute Möglichkeiten der Verknüpfung in den einzelnen Bereichen.

Unter den rund 40 deutschen Ausstellern der WasteTech Moskau 2013, deren Mehrheit unter der Ausstellerflagge des Gemeinschaftsstandes „Made in Germany“ segelten, war daher gute Stimmung: die Produkte sind in Russland gefragt. Eines der ausstellenden Unternehmen am deutschen Gemeinschaftsstand war die BRT Recycling Technologie GmbH aus Ibbenbüren in Nordrhein-Westfalen, ein Unternehmen, das sich seit 1993 auf die Entwicklung und den Vertrieb von Komponenten für Sortier- und Recyclinganlagen spezialisiert hat und bereits eine Reihe von Kunden in Russland zu seinen Partnern zählen kann. BRT-Maschinen rationalisieren und automatisieren Recyclingprozesse in Betrieben rund um die Welt, und seit mehreren Jahren jetzt auch in Russland.

Bei der Realisierung von großen Sortier- und Recyclinganlagen kann die Finanzierung jedoch mit Hürden verbunden sein: russische Banken vergeben in der Regel nur kurzfristige Kredite an Unternehmen. Kredite, welche über einen Zeitraum von mehr als 5 Jahren laufen, sind nur sehr schwer zu bekommen. Die teilnehmenden Unternehmen eines solchen Abfall- und Energie-Projekts, beispielsweise Fachbetriebe aus Deutschland, müssen dies in der Amortisations-Planung, welche dem Kunden vorgelegt wird, berücksichtigen.

Für ausländische Unternehmen kommen dann noch die klassischen Russland-Herausforderungen hinzu: so wurden in den Gesprächen mit den ausstellenden Unternehmen auf der WasteTech Großteils die Verwaltung, die Import- und Zollabwicklung sowie die Zahlungsmoral als mögliche weitere Hürden genannt. Nichtsdestotrotz ist Russland bei der richtigen Planung mit lokal erfahrenen Partnern, weiser Voraussicht und angemessener Kontrolle ein überaus interessanter und zukunftsträchtiger Markt für das Geschäft mit der Abfallverwertung. Und dass man den Müll nicht weiterhin einfach auf Deponien werfen oder im Verbrennungsöfen verheizen kann, sondern das Problem nachhaltig angehen muss, ist auch in Russland angekommen.

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Autor: Johannes Ausserer, Managing Partner | Ausserer & Consultants

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Dieser Artikel ist im Magazin der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer AHK Impuls 03/2013 erschienen.

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