Keine Sanktionen für deutsche Autos in Russland

Keine Sanktionen für deutsche Autos in Russland
Keine Sanktionen für deutsche Autos in Russland

Die MIMS Automechanika 2014, die führende Fachmesse und wichtiger Treffpunkt der Automobilindustrie in Russland, war gut besucht. Die jährlich stattfindende Ausstellung in Moskau wird von der Messe Frankfurt organisiert, in Zusammenarbeit mit einem lokalen Partner, der ITE Messegesellschaft. Unter den Ausstellern waren dieses Jahr rund 20 deutsche Unternehmen welche in Moskau mit einem eigenen Stand vertreten waren. Acht dieser Vertreter wurden zum aktuellen Russlandgeschäft befragt. Die wichtigste Erkenntnis dieses Jahr war: Deutsche Autos, und alles was dazugehört, sind in Russland nicht sanktioniert und in der Branche rechnet man auch nicht mit einer Einschränkung. Nur der Euro-Rubel-Wechselkurs macht den exportierenden Unternehmen aus dem Westen zu schaffen.

Die MIMS Automechanika in Moskau wird von den befragten Unternehmen durchwegs als Messe zur Bestandskundenpflege und für das Branding der eigenen Marke auf dem russischen Markt gesehen. Die Hauptmesse und weltweit wichtigste Verästlung in der Zulieferbranche der Automobilindustrie ist die Automechanika in Frankfurt. Russische Kunden und neue Kontakte werden deshalb oft auch direkt in Deutschland geknüpft, in Moskau werden dann die Russland-Beziehungen weiter gefestigt.

Der Großteil der befragten Unternehmen hat keine eigene Tochtergesellschaft in Russland, werden jedoch von deutschen Mitarbeitern vertreten, welche fließend Russisch sprechen. Wer also in Russland Geschäfte machen will, sollte seine Kunden in Russisch beraten und von den eigenen Produkten überzeugen. Allerdings gibt es in Deutschland über 2 Millionen Russland-Deutsche, also aus Russland stammende deutsche Staatsbürger, was die deutsch-russischen Handelsbeziehungen bezüglich Sprache und Geschäftskultur stark vereinfacht. Einer davon ist Konstantin Roslov, Gebietsverkaufsleiter GUS der Renner GmbH, ein stark wachsendes Unternehmen, welches Kompressoren für verschiedene Industriezweige herstellt. Um die aktuelle Lage in Russland ist das Unternehmen nicht sehr besorgt, da der russische Markt als dynamisch und allgemein schwankend eingeschätzt wird. Da das Unternehmen international tätig ist und somit eine Diversifikation vorliegt, werden die Russland-Risiken minimiert.

Als durchwegs stabil beschrieben hingegen die Vertreter der Flennor GmbH die Nachfrage in Russland. Für die Zukunft rechnet das Unternehmen weiter mit Umsatzsteigerungen: so wird die Messe in Moskau hauptsächlich zur Bestandskundenpflege und zur Intensivierung der Geschäftsbeziehungen in Russland genutzt. Von Sanktionen ist man in der Branche nicht betroffen.

Als herausfordernd schätzt das Unternehmen EUROLUB GmbH den russischen Markt ein, ein Unternehmen welches Motorenöle höchster Qualität herstellt und vertreibt. Generell ist der asiatische Markt der umsatzstärkste für die EUROLUB GmbH, jedoch ist Russland gerade für High-Tech-Öle interessant da diese an Oberklasse-Fahrzeuge gekoppelt sind: in Russland werden beispielsweise viele Mercedes der Klasse S, Audi A8 oder BMW 7er sowie teure SUVs – also alles Fahrzeuge welche dieser oberen Klasse zuzuordnen sind – gerne gekauft. Wer sich ein Auto der Oberklasse zulegt, kauft auch Motorenöle höchster Qualität.

Zu schaffen macht allen exportierenden Unternehmen aus dem Westen jedoch der aktuelle Euro-Rubel Wechselkurs: Der Rubel ist seit der Ukraine-Krise stark gefallen. Ein Euro kann Zurzeit gegen etwa 48,5 Rubel eingetauscht werden und kostete an manchen Tagen sogar über 50 Rubel. Zum Vergleich lag der Kurs vor etwa ein Jahr zeitweise bei 43 Rubel. Folglich haben deutsche Unternehmen, die nach Russland exportieren, eine geringere Wettbewerbsfähigkeit auf dem russischen Markt als beispielsweise vor einem Jahr. Die Unternehmen, die in der Währungsunion produzieren, erfassen die Kosten in Euro. Beim Export nach Russland ist es in vielen Fällen notwendig für deutsche Erzeugnisse die Preise in Rubel zu erhöhen, um die Kosten in Euro zu decken.

Die Stimmung auf der Messe war im Allgemeinen durchwegs positiv. Die Automobilzulieferer bezweifeln, dass ihr Markt sanktioniert wird. Einige können sich Russland ohne deutsche Autos nicht vorstellen und die MIMS Automechanika ist in der russischen Automobilindustrie ein wichtiger Bestandteil und jährlicher Treffpunkt.

Sie interessieren sich für die Automobilindustrie in Russland? Hier geht es weiter zum MIMS Automechanika Bericht 2012.

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Autor: Eugen Hoppe | Ausserer & Consultants

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