Keine Äpfel aus der EU: Messebericht World Food Moscow 2014

Keine Äpfel aus der EU: Messebericht World Food Moscow 2014
Keine Äpfel aus der EU: Messebericht World Food Moscow 2014

In Russland tätige deutsche Unternehmen des Lebensmittelsektors treffen seit in Kraft treten der Sanktionsliste der russischen Regierung auf schwierige Zeiten beim Exportgeschäft ins flächenmäßig größten Land der Welt. Die World Food Moscow, die Fachmesse für Lebensmittel und Getränke für den gesamten osteuropäischen Raum, erhielt deshalb dieses Jahr besondere Aufmerksamkeit, auch da auf der Messe zahlreiche Lebensmittel ausgestellt wurden welche auf der Sanktionsliste Russlands stehen. Doch wie groß ist der Nutzen dieser Messe für deutsche Unternehmen in Zeiten der Sanktionen?

Als erstes fällt die stetige Abnahme bei der Ausstellerbeteiligung der World Food ins Auge: im Vergleich zum Vorjahr haben dieses Jahr mit zehn Ausstellern nur halb so viele deutsche Unternehmen auf der Messe ausgestellt, vor zwei Jahren nahmen sogar dreimal so viele Unternehmen aus Deutschland mit einem eigenen Stand teil. Zusammen mit den österreichischen Unternehmen stellte etwa ein Dutzend der Messeteilnehmer aus dem deutschsprachigen Raum Ihre Produkte aus. Obwohl der Markt für vereinzelte Teilnehmer voll sanktioniert und demzufolge erstmal keine Produkte nach Russland exportieren werden können, waren betroffene Unternehmen mit einem eigenem Stand vor Ort vertreten. Mit vier Ausstellern wurden direkt auf der Messe Gespräche zu aktuellen Sanktionen geführt.

So wurden auch zwei der drei Äpfel-Exporteure über ihre Ziele auf der Messe und auch zu den aktuellen Sanktionen befragt. Einer der Exporteure ist die Elbe-Obst Vertriebsgesellschaft mbH, welche seit 1996 Äpfel mit einem gesamten Exportanteil von 15 bis 20 Prozent nach Russland exportiert. Irina Jung, Sales Agent von der Elbe-Obst Gesellschaft, vertritt seit 2005 das Unternehmen auf der World Food Moscow. Sie bedauert, dass die Messeteilnahme geringer ausfiel und weniger Gespräche zustanden kamen, auch wurden einige der Termine durch die Geschäftspartner abgesagt. Dennoch ist man optimistisch für die Russland-Geschäfte: die Sanktionen für Lebensmittel gelten erstmal für ein Jahr, deshalb werden die Kontakte mit den russischen Partnern weiter gepflegt. Nichtsdestotrotz wird das Unternehmen die kommende Ernte höchst wahrscheinlich auf europäischen Märkten absetzen müssen.

Das zweite Unternehmen, welches ebenfalls Äpfel nach Russland exportierte, ist die EVA Handels GmbH. Das österreichische Unternehmen, dessen Produkte dem Premiumsegment zugeordnet werden, ist zum dritten Mal auf der World Food in Moskau. Das Ziel ist es auf der Messe trotz Sanktionen Präsenz zu zeigen, mit den Geschäftspartnern das Gespräch zu suchen und die entstandenen Situationen zu besprechen, so Roland Rosenzopf, Vertreter der EVA Handels GmbH. Durch politische Gefahren ist das Unternehmen Im Grunde genommen nicht angreifbar, da es auf vielen Märkten präsent ist und der Anteil an Russland-Exporten nur etwa 3 Prozent im Verhältnis zu den Gesamtexporten ausmacht. Jedoch ergeben sich Absatz-Schwierigkeiten für einige spezielle Äpfel-Sorten, welche in Russland besonders beliebt sind und einen hohen Anteil am Russland-Umsatz erzielt hatten.

Zur Freude der Verbraucher in der EU, werden nun die Preise für Äpfel und andere Lebensmittel, welche vorher mit einem hohen Anteil in Russland abgesetzt wurden, vermutlich leicht fallen. In Russland hingegen werden die Preise hingegen vermutlich steigen.

Von den Sanktionen nicht betroffen scheint das Unternehmen Freeze-Dry Foods GmbH, welches zum ersten Mal auf der World Food Moscow teilnahm. Zu dem Spezialgebiet des Unternehmens, gehören die gefriergetrockneten Naturprodukte wie Kräuter, Gemüse, Gewürze, Früchte und Meeresfrüchte, die seit 15 Jahren auf Russland angeboten werden.

Ingolf Mayer Generaldirektor der Gesellschaft OOO „PLAWI-Service“, die russische Tochtergesellschaft der Plattenhardt + Wirth GmbH, vertritt zum fünften Mal das Unternehmen auf der World Food Moscow. Die Firmengruppe Plattenhardt + Wirth ist Spezialist für Kühlraumbau und macht schon seit einigen Jahren erfolgreich Geschäfte in Russland. Von den Sanktionen ist man nicht direkt betroffen. In Russland hat das Unternehmen guten Ruf, da es sich durch deutsche Ingenieurskunst auszeichnet und auf wenig Konkurrenz trifft. Um die aktuelle Situation ist man dennoch besorgt, da jede neueingeführte Sanktion mit dem Resonanz-Risiko behaftet ist und zu einer Sanktionsspirale führen kann, welche dann auf andere Branchen ausgeweitet werden kann. Mit der Qualität der Messeteilname ist Herr Mayer vollkommen zufrieden. Gerade in schwierigen Zeiten soll man sich mit seinen Geschäftspartner austauschen, so der Russland-Kenner.

Für viele deutsche Unternehmen hat die World Food in Moskau an Bedeutung verloren. Da die Sanktionen jedoch für Jahr terminiert sind kann sich die Lage wieder ins Positive wenden.

Sie interessieren sich für die Lebensmittelbranche in Russland? Hier der Link zum World Food Moscow Messebericht 2012.

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Autor: Eugen Hoppe | Ausserer & Consultants

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