Russland: Vorteile des Interim-Managements

Moskau ist mmer in Bewegung: sei es auf der Tverskaya Strasse im Zetrum von Moskau  als auch beim Interim Management in Russland
Moskau ist mmer in Bewegung: sei es auf der Tverskaya Strasse im Zetrum von Moskau als auch beim Interim Management in Russland

Das Interim-Management, auch als Management-auf-Zeit bekannt und in dieser Form ursprünglich in den 1970er Jahren in den Niederlanden erstmals als Instrument der Unternehmensführung angewandt, fand im Laufe der letzten Jahrzehnte weltweit vermehrt Anwendung. So wird das Interim-Management auch im Russlandbezug zielführend als hilfreiches Werkzeug eingesetzt.

Doch welche Besonderheiten und Vorteile bietet ein Interim-Management im Russlandbezug? Und viel wichtiger noch: wie ist das Interim-Management in schwierigen Zeiten vorteilhaft einsetzbar?

Ein Interim-Manager wird vielfach im Krisenmanagement zur Überbrückung von personellen Ausfällen oder zur Sanierung von Unternehmensteilen, wie beispielsweise eine Auslandstochtergesellschaft es sein kann, eingesetzt. Die konkreten Aufgaben eines solchen Managers-auf-Zeit können prinzipiell im Bereich der Analyse, Organisation und Optimierung von Prozessen, als auch im Bereich der sogenannten „Dirty Jobs“, also der unangenehmen Aufgaben, liegen. Letztere schließen beispielsweise unliebsame Umstrukturierungen so wie auch die Schließung und Abwicklung eines Unternehmens mit ein. Ein Interim-Manager muss deshalb nicht zwingend technische und fachliche Kompetenz, sondern viel mehr Organisations- und Führungsfähigkeiten für diese Aufgaben mitbringen. Im internationalen Bezug, beispielsweise bei einem Einsatz in einer Russland-Tochtergesellschaft, ist es somit ausschlaggebend, dass der gewählte Manager lokale Erfahrung und dementsprechendes Know-how für solche Aufgaben mitbringt. Wird das Spezialisten-Wissen länger als nur einige wenige Beratertage gebraucht, oder wenn das Management der übergeordneten Gesellschaft die anstehenden Aufgaben nicht alleine lösen kann oder möchte, ist eine Interim-Lösung der Schlüssel zum Erfolg.

Aber welche Besonderheiten und Vorteile bietet diese Form der Unternehmensführung im Zusammenhang mit einer russischen Tochtergesellschaft?

Grundsätzlich sollte zwischen dem administrativen und operativen Interim-Management unterschieden werden:

Administratives Interim-Management: Nach russischem Gesellschaftsrecht verfügt der Generaldirektor über weit umfangreichere und sehr schwer einzuschränkende Rechte als beispielsweise ein Geschäftsführer einer Gesellschaft deutschen Rechts. Aufgrund dieser schwer eingrenzbaren Voraussetzungen bestellen viele Unternehmen einen Vertreter des Stammhauses als Generaldirektor der lokalen Tochtergesellschaft, welcher jedoch nicht permanent vor Ort in Russland ist. In einem solchen Fall bietet es sich an, aufgrund einer Vollmacht die Generalvertretungsvollmacht extern an einen lokal erfahrenen Interim-Manager zu übergeben, um für einen reibungslosen Dokumentenablauf zu sorgen.
Bei administrativen Aufgaben wie einer Firmengründung, bei der Kommunikation mit staatlichen Organen oder bei einer Kontoeröffnung und dessen Führung kann ein lokaler Spezialist, welcher immer im Auftrag des Stammhauses kommissarisch handelt, schnell und reibungslos solche Aufgaben ausführen und ist so auch oft der erste Ansprechpartner der Muttergesellschaft. Diese administrative Fachkraft führt in der Regel jedoch kein operatives Geschäft und trifft keine eigenmächtigen Entscheidungen.
Außerdem kann es auch aus Kostengründen sinnvoll sein, in Still- oder Krisenphasen einen rein administrativen Interim-Manager als Generaldirektor für eine Überbrückungsphase, also für ein administratives Management auf Zeit, zu engagieren.

Operatives Interim-Management: Möchte Ihr Unternehmen nachhaltige Erfolge erzielen oder stehen unliebsame Aufgaben bei Ihrer russischen Tochtergesellschaft an, ist es wichtig auf lokal erfahrenes Personal zu setzen. Der russische Markt hat seine Besonderheiten, welche sich vom westlichen deutlich unterscheiden. Ein sachgerechter Umgang mit diesen Mechanismen und der adäquate Einsatz des lokalen Netzwerkes können für Ihren wirtschaftlichen Erfolg unter russischen Bedingungen entscheidend sein.
Aufgrund der laut russischem Arbeitsrecht sehr knappen Kündigungsfrist von 14 Tagen (bei Schlüsselpositionen wie Generaldirektor oder Hauptbuchhalter 30 Tage) kann in Fällen eines unvorhersehbaren Ausscheidens eines verantwortlichen Mitarbeiters auch eine kurzfristige Übernahme der Verantwortung durch einen Interim-Manager als Überbrückung notwendig werden.
Auch kann ein externer Fachmann bei der Restrukturierungs- oder bei Sanierungsplänen einer Russland-Tochtergesellschaft die lokale Geschäftsstrategie überprüfen und diese gegebenenfalls neu ausrichten oder aktiv bei der Verbesserung der Effizienz interner Prozesse wirken. Die oft gefürchtete Betriebsblindheit, beispielsweise „wir machen das weltweit immer so“, liegt bei einem externen Manager-auf-Zeit nicht vor.
Entscheidet sich Ihr Unternehmen hingegen dafür, die Segel wieder einzufahren und den russischen Markt wieder zu verlassen, kann ein solcher externer, lokaler Manager die Umsetzung eines aufwendigen Schließungsprozesses in Kooperation mit allen beteiligten Parteien weitgehend emotionslos durchführen.

Fazit: Das Interim-Management, sei es im administrativen als auch im operativen Aufgabenbereich, kann in Russland – besonders in schwierigen Zeiten – in einer Vielzahl von Situation maßgebende Vorteile mit sich bringen. So können von der Analyse über Plan und Umsetzung von Umstrukturierungen einer russischen Tochtergesellschaft aus einer Hand notwendige Maßnahmen von erfahrenen Experten erbracht werden. Da das Management zeitlich begrenzt ist, können solche Manager auch die unbeliebten Aufgaben für Sie vor Ort übernehmen oder strickt sach- und aufgabenorientiert in Russland in Ihrem Auftrag agieren. Bei der Abgabe der reinen administrativen Funktion des Generaldirektors kann dieser Schritt Prozesse beschleunigen oder beispielsweise die Kommunikation mit staatlichen, russischen Organen einschlägig vereinfachen.

Experten-Tipp: Verlassen Sie sich beim Interim-Management nur auf lokal erfahrene Partner, um keinen Zeitverlust durch lange Einarbeitung zu erleiden und lassen Sie bei Ihrem Russlandgeschäft niemals die Kontrolle aus der Hand.

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Autor: Johannes Ausserer, Managing Partner | Ausserer & Consultants

Dieser Beitrag ist im Fachmagazin German Mittelstand in Russland 2015 des OWC-Verlages erschienen. Link zum Beitrag.

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