Trotz Krise weitere Investitionen in den russischen Automarkt

Trotz Krise weitere Investitionen in den russischen Automarkt
Trotz Krise weitere Investitionen in den russischen Automarkt

Seit 2013 befindet sich die Zahl neuer KfZ-Zulassungen auf dem russischen Automarkt im freien Fall. Davor waren die Prognosen deutscher Autobauer auf Hochstimmung, da sie davon ausgingen, dass Russland als größter KfZ-Absatzmarkt in Europa Deutschland ablösen würde. Es kam jedoch seit des Ukraine-Konfliktes und den Wirtschaftssanktionen der EU und den USA anders.

Anfangs der Wirtschaftskrise waren vor allem Massenhersteller der Unter- und Mittelklasse vom Umsatzeinbruch betroffen, während es vergleichsweise deutschen Premium-Herstellern wie Mercedes, Audi, BMW und Porsche gut ging. Die Marktsituation änderte sich jedoch drastisch.

Gemäß der aktuell veröffentlichten Studie der Association of European-Businesses (AEB) wird erkenntlich, dass im derzeitigen Jahr 2016 die größten Einbrüche neuer KfZ-Zulassungen im Vergleich zu 2015 von japanischen und koreanischen Automobilkonzernen getragen wurden (Ssang Yong: -76%, Honda: -70%, Mitsubishi: -55%, Mazda: -25%, Subaru: -23%, Hyundai: -14%, AvtoVaz-Renault-Nissan: -11,4%, Kia: -9%, Toyota: -0,1%). Auffällig ist dennoch, dass beispielsweise Tochterdivisionen wie Lexus (Toyota) +20% oder Cadillac (GM) +23% ein Wachstum der KfZ-Neuzulassungen in Russland verzeichnen können, was auf eine kontinuierliche Nachfrage von SUVs der höheren Klasse schließt. Vergleichsweise sind die Verkaufszahlen deutscher Automobilhersteller in Russland zum Vorjahr geringer eingebrochen (Porsche: -14%, Mercedes-Benz: -15%, Volkswagen Group: -5%, BMW Group: -1%).

Trotz Wirtschaftskrise wurde aus Industriekreisen jedoch verlautet, dass Daimler in Kürze ein Montagewerk bei Moskau errichtet, wie das Handelsblatt 06/2016 berichtete. Gemäß einer Daimler-Vertreterin werden Detailfragen zu den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geprüft. Bei Daimler sei eine sogenannte CKD-Fertigung für Mercedes-Geländewagen geplant, bei der aus gelieferten Teilen fertige Autos montiert werden. Für Mercedes-Verhältnisse fällt die geplante Kapazität von 30.000 Stück pro Jahr gering aus, nichtsdestotrotz ist dies ein weiterer Vertrauensbeweis deutscher Autohersteller in die Zukunft des russischen Marktes.

In der Automobilbranche gibt es dennoch auch Gewinner deutscher Konzerne in Russland. Beispielsweise läuft die Produktion im von Continental geführten Reifenwerk in Kaluga auf Hochtouren, in dem rund 1000 Beschäftigte im vergangenen Jahr drei Millionen Reifen produziert haben. Laut dem Generaldirektor von Continental RUS, Jaron Wiedmaier, soll „bis 2018 die Kapazität bei entsprechender Marktentwicklung ausgeweitet“ werden. Obwohl die russischen Kunden beim Reifenkauf in der Krise gespart haben, war ein entscheidender Hilfsfaktor der schwache Rubel-Kurs im Vergleich zum Euro, der es ermöglichte, die Reifen nicht nur innerhalb Russlands, sondern auch nach West- und Nordeuropa erfolgreich zu exportieren. Mittlerweile werde ein Drittel der in Kaluga produzierten Reifen exportiert.

In Krisenzeiten will die russische Regierung Auslandsinvestoren, u.a. auch der Automobilbranche, durch spezielle Investmentabkommen (SPIK) unterstützen. Beispielsweise sollen Daimler Fördermittel und Standortvorteile vom Staat eingeräumt werden. Nachdem BMW und VW bereits in Russland Produktionsstandorte führen, reagiert Daimler mit seiner Werksplanung auf die offizielle russische Politik der „Import-Substituierung“ [das Ersetzen von Importen durch heimische Produkte], um sich Vorteile nicht nur durch niedrigere Zölle zu verschaffen, sondern auch um an öffentlichen Ausschreibungen teilzunehmen. Bislang wurde Daimlers Marktzugang beispielsweise zum Kreml-Fuhrpark oder den Dienstflotten der russischen Staatsbetriebe wie Gazprom oder Rosneft verweigert. Gemäß des Vorsitzenden des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft und Vorstandsvorsitzenden der Linde AG, Dr. Wolfgang Büchele, sind „inzwischen wieder mehr deutsche Unternehmen bereit, in Russland eine Produktion aufzubauen.“

Autor: Karl-Rafael Kubisch | Ausserer & Consultants
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