Russischer Rubel im Weihnachtshoch

20140327165808520_1Zum Jahresende 2016 zeigt sich der russische Rubel (RUB) stark im Vergleich zum Euro (EUR) und dem US-Dollar (USD). Während im Februar 2016 ein extremer Wechselkurs i.H.v. 1 EUR = 90 RUB verzeichnet werden konnte, ist dieser mittlerweile auf 1 EUR = 64 RUB gesunken. Die Gründe für die Aufwertung des RUB sind verschiedene:

Zum einen spielt der globale Preis für Erdöl, welches das wichtigste russische Exportgut ist, eine entscheidende Rolle. Während im Februar 2016 ein Barrel der Sorte WTI (West Taxes Intermediate) zu billigen 30 USD gehandelt wurde, verteuerte sich dieser auf derzeitige 53 USD je Barrel. Diese Preisentwicklung kann als globale Tendenz der Rohölpreise verschiedener Sorten verzeichnet werden, u.a. auch der russischen Referenzsorte aus dem Ural. Zudem beschlossen im Dezember 2016 die Mitgliedsländer der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) ein Fördermaximum, um das globale Überangebot an Rohöl zu verringern. Obwohl Russland nicht zur OPEC gehört, beeinflusst diese Entscheidung die Preissteigerung des globalen Rohölpreises maßgeblich und somit auch Russlands Einnahmen aus dem Ölgeschäft.

Allerdings ist das Ölgeschäft nicht der einzige Grund für die Stärke des Rubels. Vielmehr verweisen Analysten derzeit auf Rubelkäufe durch internationale Investoren wegen des attraktiven und stabilen Zinsniveaus: Die Zentralbank hatte im vergangenen September angekündigt, bis Jahresende auf Leitzinssenkungen zu verzichten. Nach der letzten Sitzung in der vergangenen Woche wurde zudem konkretisiert, dass bis zum zweiten Quartal 2017 weiterhin keine Leitzinssenkungen vorgenommen würden. Derzeit liegt der Zins für einwöchige Ausleihungen an Banken in Russland bei 10 Prozent, was ausländischen Investoren für sogenannte „Carry-Trades“ attraktiv macht, bei denen sich die Investoren in komplexen Tauschgeschäften die Differenz zum niedrigen Zinsniveau der westlichen Industrieländer zunutze machen.

Entscheidend für die Rubelstärke sind derzeit auch „interne russische Gründe“. Beispielsweise müssen viele Großkonzerne im Dezember Steuern zahlen und wechseln dafür ihre Exporterlöse (meistens geführt in USD oder in EUR) in RUB um. Obwohl die Steuertermine über das Jahr verteilt werden, zahlen die meisten Unternehmen jedoch in diesem Monat. Laut Analysten der größten russischen Bank Sberbank tauschten im Dezember 2015 Großkonzerne – zu gleichen Konditionen – insgesamt über 10 Milliarden USD in RUB, um ihre Steuerverbindlichkeiten gegenüber dem russischen Staat tilgen.

Hinzu kommt, dass in diesen Tagen der Erlös aus der Teilprivatisierung des staatlich kontrollierten Ölkonzerns Rosneft an den Haushalt überwiesen wurde. Die Käufer – der katarische Staatsfond und der Rohstoffhändler Glencore – hatten rund 10 Milliarden EUR gezahlt, welche ebenfalls in RUB getauscht werden mussten und die russische Heimatwährung an Wert gewinnen ließen.

Obwohl die derzeitigen “Dezember-Faktoren“ wiederum im Januar 2017 verschwinden werden, prognostizieren dennoch Analysten der Raiffeisenbank sowie von Ernst & Young eine positive Entwicklung des EUR/RUB und USD/RUB Wechselkurses im kommenden Jahr 2017. Gemäß den Einschätzungen der Experten werden folgende Wechselkurswerte in 2017 erwartet: Quartal 1 (1 EUR = 67,41 RUB), Quartal 2 (1 EUR = 64,26), Quartal 3 (1 EUR = 64,05 RUB), Quartal 4 (1 EUR = 63,00 RUB). Zudem sagt der Internationale Währungsfond IWF ein positives Wirtschaftswachstum Russlands um rund 1 Prozent in 2017 hervor.

Autor: Karl-Rafael Kubisch | Ausserer & Consultants
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