Russlands Wirtschaft 2017: Chance für ausländische Investoren

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Die „Moskwa-City“ ist Symbol des internationalen Geschäfts- und Finanzzentrums Moskaus. Dort befindet sich der Oko Tower 1 – Europas höchster Wolkenkratzer.

Als einer der größten Energieproduzenten der Welt verfügt Russland weltweit 16,8% der Gasreserven, 5,5% der Ölreserven und 17,6% der Kohlereserven. In der Erdgasförderung liegt Russland auf dem zweiten Platz hinter den USA (Stand Dezember 2016), in der Erdölförderung sogar auf Platz eins weltweit knapp über Saudi-Arabien (Stand Januar 2017). Dabei ist zu beachten, dass Russland als Nicht-Mitglied der OPEC auch nicht an die Vorgaben der Organisation zur Beschränkung oder Ausweitung der Erdölförderung gebunden ist.

Mit einem BIP von insgesamt 1,32 Milliarden USD steht Russland auf Platz 12 weltweit, hinter den USA (Platz 1) und Deutschland (Platz 4), jedoch vor Australien (Platz 13) oder der Schweiz (Platz 19). Hauptsächlich tragen Handel und Dienstleistungen mit über 50% zum BIP bei. Darauf folgen das Baugewerbe und Immobilien (ca. 18%), die verarbeitende Industrie (ca. 15%), der Bergbau (ca. 10%), sowie die Land-, Forst- und Fischwirtschaft (ca. 4%).

Nachdem das Jahr 2016 mit einer Rezession des russischen BIP endete, prognostizieren nun für 2017 russische und internationale Analysten ein erneutes Wachstum zwischen 0,6% und 0,8%. Die russische Zentralbank geht sogar von einem Wachstum zwischen 1,1% und 2% aus. Nichtsdestotrotz ist die Entwicklung des BIP hauptsächlich von der Entwicklung der Rohstoffpreise abhängig, dies betrifft auch den russischen Rubel [siehe Artikel vom 24.12.2016 „Russischer Rubel im Weihnachtshoch“].

Ohne weitere inländische und ausländische Investitionen läuft jedoch die russische Wirtschaft Gefahr, an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren. Beispielsweise sinken seit 2013 bereits die Bruttoanlageinvestitionen, welche zuletzt im ersten Quartal von 2016 bei -4,8% lagen. Die ausländischen Direktinvestitionen in Russland betrugen im Jahr 2013 hohe 60 Milliarden USD, während im ersten Halbjahr 2016 lediglich 6,5 Milliarden USD verzeichnet werden konnten. Gemäß dem Report „Investitionsattraktivität der Länder Europas“ von Ernst & Young (2015) kommen die Top-5 der aktiven internationalen Investoren aus Deutschland, den USA, Frankreich, Italien und China, gemessen an der Anzahl kürzlich neu entstandener Projekte in Russland.

Dennoch bleibt die Frage offen, warum derzeit weniger in Russland investiert wird? Gemäß dem Hochschuldozenten der Moskauer Higher School of Economics, Dr. Valery Mironow, liegen die Gründe nicht nur in der Rezessionsphase der vergangenen Jahre, sondern vor allem in der Unsicherheit sowohl in Russland als auch generell in der Welt. Eine Folge ist, dass die Unternehmen stagnierend die politische und wirtschaftliche Weiterentwicklung abwarten und sich mit neuen Investitionen vorerst zurückhalten. Dennoch verbleiben die meisten deutschen Unternehmen – trotz Krisenzeiten – weiterhin in Russland. Einige Großunternehmen wie Daimler bauen sogar neue Produktionsstätten [siehe Artikel vom 21.11.2016 „Trotz Krise weitere Investitionen in den russischen Automarkt“].

Generell ist festzustellen, dass Russland mehr Rohstoffe als jedes andere Land der Erde besitzt und falls die Rohstoffpreise wieder ansteigen – was derzeit hinsichtlich des Ölpreises der Fall ist (Januar 2017) – Russland erneut mit höheren Einnahmen rechnen kann, was die Wirtschaft wieder in Schwung bringt. Zudem sind auf Grund des realen Wertverfalles des russischen Rubels (-26% im Vergleich zu 2014) derzeit russische Produkte sehr günstig auf internationalen Märkten zu verkaufen, was nicht nur für Rohstoffe, sondern auch für z.B. das verarbeitende Gewerbe gilt. Dr. Mironow betont in einem kürzlich erschienen Interview mit GTAI: „Keine andere bedeutende Volkswirtschaft der Welt hat in den vergangenen beiden Jahren die Relationspreise so stark gesenkt wie Russland“. Dies bedeutet enorme Exportchancen für in Russland produzierte Waren und Dienstleistungen, welche wiederum die russische Wirtschaft zum Wachstum bringen könnten.

Den derzeitigen Trend zum Export fördert ebenso die russische Regierung mit zinsgünstigen Krediten für neue Investitionsprojekte, sowie auch mit einer staatlichen Exportkreditversicherung, für diese in 2011 eine neue Behörde gegründet wurde.

Für deutsche Investoren kann somit bald erneut das Geschäft im größten Land der Erde, vor allem in den modernisierungsbedürftigen Sektoren wie Energie- und Kommunalwirtschaft, Verkehrsinfrastruktur, Gesundheitswesen sowie auch in der Automobilbranche, hochprofitabel werden!

Autor: Karl-Rafael Kubisch | Ausserer & Consultants
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