Neues Moskauer Migrationszentrum (ММЦ) eröffnet – zwei Erfahrungsberichte

Im April 2016 fanden per Dekret des Präsidenten signifikante Restrukturierungsmaßnahmen der föderalen Behörden in Russland statt. Neben der Gründung einer Nationalgarde wurde auch der ehemalige Migrationsdienst abgeschafft und dessen Kompetenzen an das Innenministerium übertragen. Die Begründung dafür lautete Effizienzsteigerung und Kosteneinsparungen. Folglich müssen ab sofort alle in Russland arbeitenden Ausländer ihre Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigungen über das Innenministerium beantragen.

Dafür wurde vor den Toren der Hauptstadt das neue Migrationszentrum Многофункциональный миграционный центр (ММЦ) im südöstlichen Sacharowo gegründet – ca. 45 Minuten Fahrtzeit vom Moskauer Außenring МКАД entfernt. Wer sich gegen die Anfahrt mit dem PKW entscheidet, dem wird als Alternative die Fahrt mit der Metro bis zur Station „Annino“ und weiter mit Direktbussen (http://mc.mos.ru/mmc/contacts/), Marschrutkas oder Taxis empfohlen. Achtung: viel Zeit einplanen!

Das neue Migrationszentrum ist ein im Schnellbau errichteter Gebäudekomplex unterteilt in verschiedene Abteilungen, wie z.B. die Abteilung für Spezialisten-Visa in einem Gebäude sowie die Abteilung für die Erteilung 5-jähriger Arbeitsgenehmigungen („permanente Arbeitserlaubnis“) in einem Anderen. Grundsätzlich sind das Spezialisten-Visum sowie die 5-jährige Arbeitsgenehmigung beide Aufenthaltstitel mit Arbeitsrecht, jedoch ist der signifikante Unterschied, dass die Inhaber eines Spezialisten-Visums an einen Arbeitgeber gebunden sind, während man mit der 5-jährigen Arbeitsgenehmigung frei seinen Job wählen kann.

Spannend zu beobachten sind die Unterschiede beider Abteilungen: Während das Gebäude zuständig für ausländische Spezialisten-Visa (hauptsächlich für Westeuropäer und US-Amerikaner) als modern und organisiert wahrgenommen wird, erinnert das Gebäude für die Verlängerung der Arbeitsgenehmigung (hauptsächlich für Fachkräfte aus den GUS-Staaten) hinsichtlich der langen Wartezeit und teils chaotischen Organisation eher an „die früheren Sowjetzeiten“.

Um sein Spezialisten-Visum zu verlängern, nahm Peter Ladstaetter, welcher seit 20 Jahren in Russland selbstständig ist, die Anfahrt zum Migrationszentrum mit dem PKW auf sich. Als einer der ersten österreichischen Dolmetscher etablierte er sich 1984 in der Sowjetunion und fungierte in dieser Zeit als Handelsvermittler für österreichische KMU. Im Anschluss gründete er sein eigenes Unternehmen in Moskau, Ladstaetter u. Co. KG, und vertritt mittlerweile westeuropäische KMU aus dem Baubereich, der Landwirtschaft sowie der Industrie in Russland und unterstützt diese erfolgreich bei ihrem lokalen Netzwerkausbau.

Im Vergleich zur früheren Migrationsbehörde („früher musste man stundenlang Schlange stehen, falls man überhaupt rankam!“) ist Peter Ladstaetter mit dem Prozedere des neuen Migrationszentrums höchstzufrieden, da relativ kurze Wartezeiten sowie klare Nummerierungsabfolgen die Abfertigung beschleunigen. Um die Wartezeit jedoch so kurz wie möglich zu halten, wird empfohlen, sich über eine externe Service-Firma eine bestimmte Uhrzeit am Tag „reservieren“ zu lassen. Peter Ladstaetter konnte bereits nach ca. 45 Minuten das einmalige Prozedere abschließen. Die Bearbeitungszeit der Dokumente beträgt laut Angabe der Behörde in der Regel 10 Werktage, maximal jedoch 20 Kalendertage.

Oliver Hammer hingegen wählte die Verlängerung seiner 5-jährigen Aufenthaltsgenehmigung als Option, dessen Abfertigung im absoluten Kontrast zu der des Spezialisten-Visums steht. Nach Abschluss seines Wirtschaftsinformatik-Studiums vor 10 Jahren ist Oliver Hammer in Russland geblieben und arbeitete im Projekt-, Business Development- und IT-Management in der Finanzbranche (HSBC, Shoreline Brokers, Richarts Meyer), bevor er Business Development Director der ISG Personnel Management Solutions in Moskau wurde.

Da die Abteilung seiner Dokumente bereits früh morgens einen großen Andrang vorhersagte, wurde ihm empfohlen, bereits um 07:30 Uhr morgens in der Schlange zu stehen, um rechtzeitig eine Tagesnummer für die Abgabe/Abholung seiner Dokumente zu erhalten. Erstaunlicherweise zog sich bereits zu dieser frühen Uhrzeit die Schlange wartender Antragssteller/innen auf die offene Straße – und dies bei winterlichen Temperaturen. Auf Grund des großen Andrangs zog sich der Tag für Oliver Hammer erheblich in die Länge, er verließ um 06:00 Uhr morgens mit dem Auto sein Zuhause im Moskauer Zentrum und kehrte erst gegen 17:00 Uhr zurück.
Eine gute Buchmitnahme sowie ein deftiges Pausenbrot werden in diesem Fall strengstens empfohlen!

Autor: Karl-Rafael Kubisch | Ausserer & Consultants

Erfahrungsberichte:
Peter Ladstaetter (Generaldirektor Ladstaetter u. Co. KG): p.ladstaetter@mail.ru
Oliver Hammer (Business Development Director) :oliver.hammer@isg.com

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