Russischer Leitzins auf 9,75% gesenkt – trotz positivem Trend Kredite weiterhin kostspielig

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„Moskau City“ – Am Ufer der Moskwa gelegen beherbergt das nur wenige Kilometer Luftlinie vom Kremel entfernete Geschäfts und Finanzzentrum zahlreiche internationale Banken und Unternehmen
Vor etwas mehr als 2 Jahren, um genau zu sein im Dezember 2014 kam es zu einem der einschneidendsten Ereignisse für die russische Wirtschaft innerhalb der letzten Jahre. Es ist die Rede von der durch die russische Zentralbank veranlassten Erhöhung des Leitzinses auf das historische Hoch von 17% um einer unkontrollierten Inflation entgegenzuwirken und den Verfall des Rubels zu stoppen. Betrachtet man die Situation heute, wird deutlich, dass sich gegenwärtig eine grundsätzliche Verbesserung bzw. Erholung der Gesamtsituation der russischen Wirtschaft abzeichnet. Diese positiven Tendenzen spiegeln sich insbesondere in Form der kontinuierlichen Erstarkung des Rubelkurses seit Anfang 2016 auf derzeit knapp 60RUB/€ wider, dessen Entwicklung naturgemäß Hand in Hand mit der Abflachung der Inflationsrate geht. Diese sank von etwa 8% im Februar 2016 auf heute rund 4,5%.

Aufgrund der jüngsten Erholung des Rohölpreises, der in Russland bekanntermaßen sehr eng mit dem Währungskurs korreliert ist eine Bewertung welchen Anteil der hohe Zins letztendlich an der Stabilisierung der Währung besaß nicht ganz einfach. Worauf er sich, trotz der seit 2014 schrittweise durchgeführten Absenkung auf gegenwärtig 9,75% aber maßgeblich auswirkt, sind die Konditionen für Kredite im Land. In Kombination mit den vom Westen verhängten Finanzsanktionen, die russische Banken weitestgehend vom europäischen und amerikanischen Kapitalmarkt abschneiden, stellt er nach wie vor die größte Hürde für preiswerte Kredite in der Föderation dar.

Da sich eine Refinanzierung auf einem der westlichen Kapitalmärkte für Banken mit russischer Kapitalbeteiligung demnach zur Zeit schwierig gestaltet, agiert der von der Russischen Zentralbank gesteuerte Leitzins gleichzeitig auch als Hauptrefinanzierungssatz der inländischen Kreditinstitute und hat damit große Auswirkungen auf die offerierten Kreditkonditionen. Die meisten Unternehmenskredite in Russland bewegen sich in Folge dessen derzeit zwischen 11,8% (Sberbank) und 23% (Absolut Bank), was zwar einerseits eine deutliche Verbesserung gegenüber 2015 darstellt – zum damaligen Zeitpunkt belief sich der effektive Jahreszins für Gewerbetreibende zumeist auf 25 – 38%. Andererseits können solche Zinssätze aber nach wie vor eine nicht zu vernachlässigende Zinslast für die vor Ort tätigen Unternehmen darstellen.

Dies hemmt die Investitionsbereitschaft insbesondere derjeniger, die aufgrund ihrer Gesellschafterstruktur nicht auf alternative Finanzierungsinstrumente, beispielsweise in Form eines Gesellschafterdarlehens oder die Bereitstellung von Eigenkapital durch die ausländische Muttergesellschaft zurückgreifen können und deshalb Schwierigkeiten haben frisches Kapital aufzunehmen.

Wenn letztendlich mehr als ein Zehntel der aufgenommenen Summe allein für Zinszahlungen aufgebracht werden muss und damit noch keine Tilgung der eigentlichen Schuld stattgefunden hat, liegt es auf der Hand, dass die Aufnahme eines Bankdarlehens zu den gegenwärtigen Konditionen wohl überlegt sein sollte. Was bei kurzfristigem Rückzahlungshorizont nicht merklich ins Gewicht fällt kann sich langfristig aufsummieren und die Geschäftstätigkeit eines Unternehmens ernsthaft gefährden.

Abzuwarten bleibt, wie sich der Leitzins aber auch der Zugang zu den ausländischen Kapitalmärkten in den kommenden Monaten entwickeln wird. Zumindest für Ersteres ist angesichts der jüngsten Prognosen der Zentralbank eine weitere Verbesserung bis Ende 2017 zu erwarten. Demnach soll die Inflationsrate weiter auf etwa 4% absinken was dem Rubel voraussichtlich dabei helfen wird weiter an Stärke zu gewinnen. Es ist davon auszugehen, dass es in Folge dessen zu einer erneuten Absenkung des Leitzinses auf unter 9% und damit gleichzeitig auch zu einer Verbesserung der Kreditkonditionen für Unternehmen kommen wird. Maßgeblichen Einfluss wird dabei wie so oft vor allem die Entwicklung des Ölpreises haben, für den sowohl die Welt Bank als auch die eia (U.S. Energy Information Administration) für 2017 positive Tendenzen prognostizieren.

Autor: Carsten Hämmerle | Ausserer & Consultants

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