7 Fragen: Andrey Samsonov von der Felder Gruppe über den Markt für ausländische Holzbearbeitungsmaschinen in Russland

 

Machines
Produktsortiment der Felder Gruppe in Russland

Seit mehr als 60 Jahren entwickelt, produziert und vertreibt die Felder Gruppe Maschinen für die Holzverarbeitung. Mit den Marken FELDER, FORMAT-4 und Hammer zählt das Unternehmen zu einem der führenden Anbietern von Holzbearbeitungsmaschinen für Handwerk, Gewerbe und Industrie.

Im Interview spricht Andrey Samsonov der als CEO für die Felder Gruppe in Russland tätig ist mit uns über die Tätigkeit des Unternehmens in Russland, den dortigen Markt für (Holzbearbeitungs-) Maschinen,  sowie seine ganz persönlichen Erfahrungen in der russischen Geschäftswelt.


  1. Welche Produkte führen sie in Russland? Was unterscheidet ihr Angebot aber auch den russischen Markt im Allgemeinen von dem in Europa?

Die Kundenbedürfnisse in Europa und Russland sind ziemlich ähnlich, wenngleich es gewisse Unterschiede gibt. Dementsprechend bietet die von der Felder Gruppe nach Russland gelieferte Produktpalette überwiegend konventionelle Lösungen für Produktionsbetriebe der Holzindustrie. Andererseits besteht für einige Produkte eine größere Nachfrage als für andere, was sich auf den Lieferanteil unseres Unternehmens auswirkt. Diese Abweichungen sind vor allem auf die unterschiedliche Kaufkraft der europäischen und russischen Hersteller, die unterschiedliche technische Ausstattung der Fabriken, das Durchschnittsalter und den Zustand der Maschinen zurückzuführen.

Der Hauptunterschied des russischen gegenüber dem europäischen Markt besteht darin, dass in Europa kleine und mittlere Unternehmen welche bereits seit langer Zeit existieren die zugrundeliegenden Triebkräfte sind. Was Russland angeht, so hat die Regierung erst in den vergangenen 15 Jahren zunehmend Aufmerksamkeit auf kleine und mittlere Unternehmen gelegt, was natürlich eine ziemlich kurze Zeitspanne für die staatlichen Behörden ist effiziente Mechanismen zur Unterstützung des privaten Sektors zu entwickeln aber auch für die Unternehmen selbst, um operative Erfahrung in Russland zu sammeln. Dies wirkt sich auf die Konsumenten-Trends aus: oft entscheiden sich Kunden in Russland für Geräte, die eine Diversifizierung der Aktivitäten des Unternehmens entsprechend der wirtschaftlichen Situation ermöglichen, was eine effiziente Strategie auf einem volatilen Markt darstellt.

  1. Wer zählt in Russland zu ihre Hauptzielgruppe und wie stellen sie sicher diese zu erreichen? Wie bringen sie ihre Produkte in Russland an den Kunden und wie entwickeln sie ihr Geschäft?

Unsere Zielgruppe sind fast alle Möbelproduktionsanlagen in Russland. Wir haben eine unabhängige Möglichkeit zur Entwicklung des russischen Marktes gewählt, ohne dabei irgendeinen zwischengeschalteten Händler zu nutzen. Eine solche Strategie ermöglicht es engere Geschäftsbeziehungen mit Kunden herzustellen und fruchtbaren Boden für die weitere Geschäftsentwicklung vorzubereiten. Die potenzielle Marktkapazität ist ziemlich hoch und wir erleichtern den direkten Vertrieb unserer Produkte.

Humanressourcen sind einer der wichtigsten Faktoren für die Geschäftsentwicklung der Felder Gruppe in Russland und wir legen großen Wert auf die Rekrutierung hochqualifizierten Personals. Aus organisatorischer Sicht erfordert die nachhaltige Vertriebsentwicklung von Hochleistungsmaschinen in Russland eine hohe Servicequalität und bequeme Praktiken für Kunden über alle Interaktionspunkte zwischen Kunde und Unternehmen hinweg – Vertrieb, Logistik, Serviceunterstützung und Geschäftsbeziehungen.

  1. Ganz offensichtlich besteht ein hoher Bedarf an ausländischen Maschinen in Russland. Wie steht es um russische Konkurrenten und weshalb entscheidet sich ein Kunde für ein Produkt der Felder Gruppe?

Die russische Holzbearbeitungsmaschinenindustrie hinkt drastisch hinter ihrem europäischen Gegenstück hinterher. Dementsprechend haben wir keine Konkurrenz unter den russischen Herstellern. Der russische Markt verfügt über eine Vielzahl an Maschinenlieferanten aus Europa und Asien, die in verschiedenen Segmenten miteinander konkurrieren. Da wir sowohl Low-End-Line-Ups als auch automatisierte CNC-Systeme anbieten, konkurrieren wir mit all diesen Anbietern.

Meines Erachtens nach sind die Schlüsselkomponenten einer erfolgreichen Wettbewerbsstrategie die Orientierung am eigenen Produkt, eine tiefgehende Kenntnis des Wettbewerbsumfelds und qualitativ hochwertige Dienstleistungen des Unternehmens. Noch besser ist es, wenn dies von innovativen technologischen Lösungen und technischer Exzellenz der Maschinen begleitet wird. Das ist der Grund weswegen Verbraucher die Felder Gruppe wählen.

  1. In wie weit beeinflussen sie die gegenwärtigen Sanktionen? War es notwendig Anpassungen vorzunehmen, wie stehen sie zum Thema Lokalisierung?

Im Allgemeinen hatten die Sanktionen nur einen indirekten Einfluss auf unser Unternehmen. Der wichtigste Faktor für das Geschäftswachstum ist die Stabilität der wirtschaftlichen Situation und nicht ein günstiger Charakter. Das ist auch der Grund weswegen das Geschäft der Felder Gruppe in Russland gegenwärtig wächst. Hinsichtlich der indirekten Faktoren möchte ich auf die verstärkte Aufmerksamkeit der Zollbehörden bei eingeführten Waren hinweisen. Es ist von großer Wichtigkeit, das russische Zollrecht gründlich zu studieren und seine Bestimmungen bis ins kleinste Detail einzuhalten, was den Geschäftsbetrieb erheblich erleichtert.

Das Konzept der Felder Gruppe ist auf die maximale Lokalisierung der Maschinenproduktion im Werk der Felder KG in Tirol ausgerichtet. Dementsprechend planen wir keine neuen Produktionsstätten in Russland.

Factory
Produktionsstandort der Felder Gruppe in der tiroler Stadt Hall, Österreich
  1. Im Jahr 2014/15 kam es zu einem drastischen Anstieg des russischen Leitzinses und damit zu einer erheblichen Verteuerung von Krediten. Hat sich das in ihren Verkäufen bemerkbar gemacht? Wie gehen sie mit Währungsdifferenzen und Wechselkursschwankungen um?

Änderungen des Leitzinses der Zentralbank von Russland haben sicherlich einen erheblichen Einfluss auf die Kaufkraft der Kunden. Auf der anderen Seite war der Anteil der Kunden, welche geliehenes Geld nutzten um Ausrüstung zu kaufen, eher gering. Entsprechend der gegenwärtigen Situation haben wir uns dafür entschieden, die Bereitstellung von Ratenzahlungen erst nach einer gründlichen Analyse der finanziellen Risiken und einer Kontrolle der ausstehenden Forderungen in Betracht zu ziehen.

Im Moment hat sich der Fremdwährungskurs stabilisiert, was dem geschäftlichen Umfeld einen positiven Impuls verliehen hat und den Markt immer aktiver macht. Dennoch bauen wir finanzielle Risiken in die Produktpreise mit ein.

  1. Wie ist Ihre persönliche Erfahrung mit der russischen Geschäftswelt und wo liegen die Unterschiede gegenüber westlichen Ländern?

Basierend auf einer sechsjährigen Erfahrung in der Arbeit in Russland, bin ich bemüht, ein europäisches Konzept für die Verwaltung von Geschäftsprozessen im Unternehmen mit den spezifischen russischen Geschäftspraktiken zu kombinieren. Die Mehrheit der russischen Unternehmen verfolgt ein zentralisiertes Managementmodell mit einer starren vertikalen Führungsstruktur. Es ergibt sich ein hohes Maß an bürokratischen Verfahren, die Nichtverfügbarkeit der Führung für ihre Untergebenen und oft der Verlust der Verbindung zur realen Situation im Unternehmen durch die Geschäftsleitung. Ich glaube, dass es die optimale Strategie ist, autoritäre und demokratische Führungsstile zu kombinieren. Mit anderen Worten, Loyalität und Transparenz sollten Hand in Hand gehen mit der kompromisslosen Erreichung der Ziele. Dies wird es uns ermöglichen, ein effizientes Team im Unternehmen zu schaffen und die erforderliche Autorität der Führung unter den Mitarbeitern zu pflegen. In Russland müssen wir darauf vorbereitet sein, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die Offenheit in der Führung als eine Schwäche wahrnehmen würden.

  1. Haben sie für die kommende Zeit besondere Veranstaltungen geplant auf denen Interessierte mit der Felder Gruppe in Kontakt kommen können?

Wir arrangieren Indoor-Shows in unseren Büros in ganz Russland für alle, die sich für unsere Branche und Produkte interessieren. Im Spätsommer planen wir auch ein großes Technologiezentrum, das CNC-Maschinen mit einem vollen Möbelproduktionszyklus präsentiert. Soziale Projekte sind auch ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit in Russland: Wir unterstützen Schreinereien, Hochschulen und andere Bildungseinrichtungen.


Andrey Samsonov

 

 

Andrey Samsonov ist als Chief Executive Officer (CEO) für die Felder Gruppe in Russland tätig und verfolgt vor Ort die Zukunftspläne des Unternehmens.

 

 


 

Das Interview wurde geführt von: Carsten Hämmerle | Ausserer & Consultants

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2 Kommentare

  1. Ein interessantes Interview. Bei Punkt 7 dachte ich an eine Zusammenarbeit mit SMS Drahtbiegemaschinen für die Möbelindustrie.

    Mit freundlichem Gruss / Kind regards,

    Dr. Ralph Kramer

    • Hallo Herr Dr. Kramer,

      Danke für Ihren Kommetar, in der Tat ein sehr interessantes Thema und ein Bereich der russischen Wirtschaft der insbesondere für ausländische Unternehmen großes Potenzial besitzt.

      Viele Grüße

      Ps. Ihre Kotaktdaten habe ich an Herr Samsonov weitergeleitet.

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