Zähe Partie für deutschsprachige Unternehmen bei der WM in Russland

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Mit dem Schlusspfiff in der 93. Minute besiegelte der argentinische Schiedsrichter am 29. Juni 2017 den Einzug der deutschen Nationalmannschaft ins Finale des Confederation Cups in Russland. Vor knapp 38 000 Zuschauern siegte das deutsche Team souverän mit 4:1 gegen Mexiko und bestätigte damit seinen Ruf als Titelanwärter bei der Weltmeisterschaft im kommenden Jahr. Zumindest in sportlicher Hinsicht befindet sich Deutschland also derzeit voll auf Erfolgskurs im Osten. Doch in wie weit können auch die zahlreichen, aus dem deutschsprachigen Raum stammenden Unternehmen in Russland von der WM profitieren?

Die Hoffnungen und Erwartungen waren nach Bekanntgabe des Austragungsortes der Weltmeisterschaft im Jahr 2018 groß. Mit ihren Produkten und ihrem Wissen hofften deutsche, österreichische und schweizerische Unternehmen darauf, lukrative Aufträge zu ergattern und so vom hohen Investitionsdruck Russlands profitieren zu können. Sportliche Großevents wie die Fußball WM oder der traditionell im Jahr davor als eine Art Testlauf stattfindende Confed Cup dienen dem Austragungsland häufig als Anlass bzw. als günstige Gelegenheit die Infrastruktur des eigenen Landes zu entwickeln und bestehende Strukturen zu modernisieren. So standen auch in Russland in den vergangenen Jahren hohe Investitionen an die unter anderem in Zusammenhang mit dem Bau und der Ausstattung der insgesamt 12 WM- Stadien sowie von Flughäfen, Straßen und vielen anderen Bereichen getätigt werden mussten. Da bei vergangenen Weltmeisterschaften besonders gerne auf die Expertise und das Know-How von Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum vertraut wurde, war auch bei der WM in Russland mit zahlreichen Aufträgen zu rechnen.

Einen Strich durch mancherlei Rechnung machte dabei nun vor allem der schwache Rubel, der seit Bekanntgabe und Planungsbeginn erheblich an Wert einbüßen musste. Vergleicht man den Stand heute mit dem des Jahres 2014, als viele ausländische Unternehmen vom starken Rubel und dem positiven Investitionsklima rund um die olympischen Winterspiele in Sotschi profitieren konnten, zeigt sich, dass der Wechselkurs von etwa 40 auf über 60 Rubel pro Euro abgewertet wurde. Dies trübte die Stimmung und führte zu strafferen Budgetvorgaben bei der Auftragsvergabe, die vor allem ausländische Firmen zu spüren bekamen.

Nichtsdestotrotz gelang es einigen Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum Ausschreibungen erfolgreich für sich zu entscheiden und Verträge zu unterzeichnen. Insbesondere betraf dies hoch anspruchsvolle Bereiche, in denen die Qualität und Funktionalität der zu erbringenden Leistung oberste Priorität besaß und eine Substitution durch einen lokalen Anbieter keine Option darstellte. So gelang es beispielsweise dem Unternehmen SKIDATA, welches unter anderem Systemlösungen für Personenzutritt und Parkraummanagement anbietet, den Auftrag für die Arena des russischen Erstligisten Spartak Moskau, eines der beiden Moskauer WM-Stadien, für sich zu entscheiden und vor Ort ein Zugangssystem für PKWs und Busse sowie bis zu 46 000 Zuschauer erfolgreich zu installieren.

Wichtig für eine erfolgreiche Geschäftsanbahnung ist dabei aber nicht allein ein ausgereiftes und der inländischen Konkurrenz überlegenes Produkt mit entsprechenden Referenzen, sondern auch die notwendige Ausdauer beim Aufbau und der Pflege von Geschäftskontakten und potenziellen Auftraggebern. Entscheidungen werden in Russland nicht über Nacht gefällt, sondern können nicht selten mehrere Monate in Anspruch nehmen. Ein langer Atem ist deshalb auf dem Weg zum erfolgreichen Vertragsabschluss unerlässlich.


Autor: Carsten Hämmerle | Ausserer & Consultants

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