AHK Baukonferenz 2018 gewährt Überblick zu aktuellen Entwicklungen in der russischen Baubranche

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Im Bild: Daniel Kiefer (THOST Russia Projektmanagement) und Asia Takhtaeva (Noerr), Leitung der AHK Arbeitsgruppe Immobilien und Bauwirtschaft

Die russische Baubranche wird derzeit mit einigen Herausforderungen konfrontiert: Zunehmende Digitalisierung, steigende Ansprüche zur Effizienzsteigerung und nicht zuletzt der Fachkräftemangel. Bei der AHK Baukonferenz, die am 24. Oktober 2018 stattfand, zeigten die Referenten Lösungsansätze zu den größten Schwierigkeiten auf. Der dazu passende Arbeitstitel der Veranstaltung lautete „Wirtschaftliche und effiziente Abwicklung von Bau- und Immobilienprojekten in herausforderndem Umfeld“.

Worauf es beim Projektmanagement ankommt

So ging Daniel Kiefer, Direktor von THOST Russia Projektmanagment, in seinem Vortrag zu den Grundlagen und Ansatzpunkten für Wirtschaftlichkeit und Effizienz auf die Notwendigkeit einer intensiven Bedarfsplanung im Vorfeld ein, bei der die Nutzeranforderungen detailliert abgefragt werden um darauf aufbauend eine optimale Lösung zu entwickeln. Insbesondere der Projektbeginn von Bauvorhaben stellt einen optimalen Zeitraum dar, um noch etwaige Anpassungen und Änderungen einzusteuern, da zu diesem Zeitpunkt die daraus resultierenden Verluste minimal sind. Im Verlauf der Projekte komme es auf eine gute Steuerung an, auch damit notwendige Entscheidungen rechtzeitig getroffen werden. Immer im Hinterkopf zu behalten sei der Zusammenhang zwischen Zeit, Qualität und Kosten. Wird an einem Stellhebel gedreht, so wirkt sich das stets auch auf die anderen beiden aus.

Immobilienmarkt in Moskau weiterhin mit hoher Dynamik

Andrej Lukaschew von ILM gewährte einen Einblick auf aktuelle Entwicklungen im Moskauer Immobilienmarkt für verschiedene Nutzungsformen. Was Industrie- und Lagerimmobilien angeht, so nimmt die Anzahl an vakanten Flächen immer mehr ab, was zu deutlich höheren Mietpreisen führt. Insbesondere der Süden, Westen und Nordwesten von Moskau sind gefragte Lagen für diesen Nutzungszweck. Je näher die Immobilien an der Ringautobahn liegen, umso teurer sind demnach auch die Mietpreise. Sie betragen teils das Doppelte verglichen mit anderen Regionen. Deshalb ist es für viele Unternehmen auch interessant selbst Objekte zu bauen anstatt zu mieten. Seit der Fußballweltmeisterschaft im Sommer dieses Jahres sind auch die Mietpreise für Wohnimmobilien stark angestiegen. Mittelfristig wird damit gerechnet, dass die Mietpreise wieder auf das Ausgangsniveau vor der WM sinken, auch weil viele neue Bauten realisiert werden.

Abschluss von Mietverträgen in Auslandswährung nicht mehr erste Wahl

Der Problematik steigender Mietpreise aufgrund von Wechselkursschwankungen bedingt durch den Abschluss eines Vertrages in Auslandswährung widmete sich Dr. Tatiana Vukolova von Roedl & Partner. 2014 kam es so teils zu Erhöhungen der Mieten um 30-40%. Daraufhin sank in Moskau die Anzahl von Verträgen bei denen die Bezahlung in Devisen erfolgt von 70% auf 10%, in St. Petersburg von 50-60% auf 5%. Als Empfehlung gab die Referentin den Zuhörern den Rat, im Mietvertrag Punkte zu fixieren, wie beispielsweise die Wechselkursbreite, innerhalb der der Vertrag bestehen bleibt, als auch das Recht auf Kündigung wenn keine Einigung bei Verhandlungen diesbezüglich erzielt werden kann. Eine weitere Möglichkeit um dieser Problematik bereits im Vorfeld zu entgehen ist der Abschluss eines Mietvertrages mit Rubel als Ausgangswährung.

Neue Technologien erleichtern das Projektmanagement

Abgerundet wurde das Event durch zwei Präsentationen in denen neue Methoden und Technologien präsentiert wurden um Prozesse und Abläufe besser zu managen. Mittels Lean Design und Lean Construction lassen sich laut Daniel Kiefer durch eine frühe Beteiligung aller Projektteilnehmer Probleme frühzeitig lokalisieren und Prozessabfolgen optimieren, wodurch es letztendlich weniger Pufferzeiten gibt. Ilja Roschupkin (SPECTRUM) stellte die 5D-Modellierung als Tool vor, über welches sich die einzelnen Bauprozesse stufenweise darstellen lassen. Eine zentrale Datenbank als weiteres Tool biete den Vorteil, dass alle Projektbeteiligten Zugriff auf die gesamten Informationen haben und der Auftraggeber die Fortschritte neben einem Überblick auch die Fortschritte schneller nachvollziehen kann. Solche Technologien bedeuten im ersten Schritt zwar ein nicht unerhebliches finanzielles Investment, durch Effizienzsteigerungen die sich über den Einsatz der Tools erzielen lassen ergeben sich im Umkehrschluss auch wieder Einsparpotenziale, die bei 5% bis 10% liegen können.

Eine Möglichkeit zur vertiefenden Diskussion beziehungsweise zum Austausch über weitere relevante Themenstellungen bietet sich im Rahmen der regelmäßig stattfindenden Sitzungen der Arbeitsgruppe Immobilien und Bauwirtschaft der AHK.

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