Hohe Abhängigkeit von ausländischen Importen in der russischen Chemieindustrie

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Bild: Ausstellerstand der Khimia 2018 im Expocentre Moskau

Chemische Erzeugnisse finden in nahezu jeder Industrie Verwendung. Sei es die Landwirtschaft oder die Pharmabranche, aber auch im Lebensmittelbereich – der direkte Einfluss auf den Alltag ist enorm. Aus diesem Grund werfen wir in diesem Beitrag einen Blick auf die aktuelle Situation in der russischen Chemieindustrie.

Verglichen mit dem deutschen, weist der russische Markt für chemische Erzeugnisse ein deutlich geringeres Volumen auf.

Vergleichswerte chemische Erzeugnisse in Deutschland und Russland für das Jahr 2017:

Angaben in Mrd. €

Deutschland

Russland

Weltumsatz

155

61

Exporte gesamt

115

2,9

Importe gesamt

79

0,9

Exporte in das jeweilige andere Land

2,9

0,9

Quelle: Chemiewirtschaft in Zahlen 2018 (Verband der Chemischen Industrie e.V. (VCI))

So konnten Unternehmen in Deutschland im vergangenen Jahr mehr als das Doppelte an Umsatz in diesem Industriebereich erzielen verglichen mit ihren russischen Konkurrenten. Auch wurden deutlich mehr Produkte von Deutschland nach Russland exportiert als von dort importiert. Bei den russischen Exporten dominierten in 2017 Rohstoffe und gering verarbeitete Produkte wie Mineraldünger und Synthesekautschuk (Gummi). Gerade bei Additiven (eine Form von Spezialchemikalien) bestehe in Russland eine sehr hohe Abhängigkeit von Importen ausländischer Lieferanten, so Oleg Kuzin – Direktor von Akril, einem Hersteller wasserbasierter Polymerdispersionen – im Interview mit der russischen Tageszeitung РБК.

Ein Grund für diese deutlichen Unterschiede ist die ausbaufähige Kapazitätsauslastung russischer Betriebe in der Chemieindustrie. Konkrete Zahlen für verschiedene Erzeugnisse finden sich im Bericht des russischen Wirtschaftsministeriums mit Prognosen für die sozioökonomische Entwicklung des Landes bis 2024. Während sich die Kapazitätsauslastung insgesamt im Jahr 2017 auf ca. 81% belief, betrug sie für die Herstellung von Chemiefasern nur 66% und im Bereich Farben und Lacke lediglich 48,5%. Als Zielvorgaben gab die russische Regierung aus, dass der Produktionsindex bis 2021 im Vergleich zu 2017 um 21,6% steigen soll, bis 2024 sogar um 49,3%. Dafür werden bestehende Anlagen umgerüstet beziehungsweise modernisiert und veraltete Komplexe stillgelegt. Der bereits zuvor erwähnte CEO von Akril, Oleg Kuzin, verwies in seinem Interview mit der РБК auch die Notwendigkeit der Automatisierung der Produktion für eine rentable Arbeitsweise.

Die Abnehmer chemischer Erzeugnisse fordern generell eine Qualitätssteigerung russischer Produkte. Bei Farben und Lacken werden immer mehr Erzeugnisse auf Wasserbasis nachgefragt. Laut Aussage der Petrochemie-Holding Sibur für einen unlängst veröffentlichten Artikel in der РБК müsse das bestehende Rohstoffpotenzial des Landes deutlich intensiver monetarisiert werden. Der Rohstoff Ethan könne aufgrund seiner hohen Effizienz (Produktionsvolumen und Verbrauch stimmen in Russland mengenmäßig überein) nach Meinung von Dmitri Akishin – Leitung „Gas und Chemie“ bei Vygon Consulting, einem Beratungsunternehmen für den Energiesektor – künftig einen wichtigen Wachstumsfaktor darstellen.

Weitere Entwicklungen und Trends die den Markt bewegen, zeigt die jährlich in Moskau stattfindende Fachmesse Khimia (ХИМИЯ) auf. Über 16.000 Besucher informieren sich im Schnitt während der vier Tage über Maschinen und Anlagen für die chemische und petrochemische Industrie, Innovationen bei Werkstoffen, die Digitalisierung der Produktion als auch Fortschritte in der Grünen Chemie. Startups können sich in einem eigenen Ausstellungsbereich präsentieren, der „Startup Chemzone“. 2018 stellten 415 Firmen aus 23 Ländern ihr Portfolio vor. 14 deutsche Unternehmen waren am Gemeinschaftsstand des German Pavilion vertreten.

Im Vergleich zur Holzindustrie nimmt die Chemiebranche in Russland derzeit eine weniger bedeutende Rolle ein. Wird künftig mehr in die Verwertung der vorhandenen Rohstoffressourcen und den Einsatz von Technologien investiert, so lässt sich die Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten deutlich verringern, was zu einer Stärkung des Industriezweigs beitragen würde.

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