Russischer Stahlmarkt kämpft mit Überkapazitäten und Absatzschwierigkeiten

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Ausstellerstand auf der Metal-Expo 2018 in Moskau

Die Aluminium-Expo (АЛЮМИНИЙ-ЭКСПО), der Рынок металлов Средней Азии, der jährliche Kongress der Russian Union of Metal and Steel Suppliers (Российского Союза Поставщиков Металлопродукции, kurz: РСПМ) oder die Metallwoche im Oktober in Moskau mit der Metal-Expo, dem MetallStroy Forum, Metallurg Mash und MetallTrans Logistik: Nur ein paar Exempel für im Jahresverlauf in der Russischen Föderation stattfindenden Fachveranstaltungen zur Metallindustrie. Allein an dieser Vielzahl von Messen und Konferenzen ist bereits ablesbar, welche Bedeutung diesem Industriezweig zukommt. Die russische Stahlindustrie trägt mit 4,5% zum BIP bei, über 700.000 Menschen sind dort beschäftigt. Neben Italien ist Deutschland das aktivste Land der Europäischen Union, wenn es um Aktivitäten in der russischen Stahlindustrie geht (Metal-Expo).

Derzeit sieht die Lage jedoch nicht sehr rosig aus und für das kommende Jahr sind die Prognosen auch wenig optimistisch. Was sind die Gründe dafür und mit welchen Maßnahmen sollen positive Veränderungen herbeigeführt werden? Mehr dazu im nachfolgenden Beitrag.

Hersteller überschwemmen Stahlmarkt

Laut einem Bericht der World Steel Association (WSA) stieg die weltweite Stahlproduktion von 2016 auf 2017 um 5,2% auf 1,6 Mrd. Tonnen. China produzierte mehr als 50% der weltweiten Gesamtmenge und ist somit Spitzenreiter. Russland nimmt Platz fünf mit knapp 71 Mio. Tonnen ein, Deutschland ist zwei Ränge dahinter auf Platz sieben mit 42 Mio. Tonnen Output. Ein Problem mit dem der Markt zu kämpfen hat sind die erheblichen Überkapazitäten, die sich auf ca. 600 Mio. Tonnen belaufen. Eine Folge davon ist eine mangelnde Kapazitätsauslastung. Global lag diese im Dezember 2017 bei nur 69,5%, dem niedrigsten Stand seit Dezember 2016. In der Russischen Föderation belief sich der Wert auf 84,9% (Bericht russisches Wirtschaftsministerium).

Das Produktionswachstum bei Nichteisenmetallen stieg zwischen Januar und Juli 2018 um 1,7% an bedingt durch höhere Outputmengen bei Primärmetallen wie beispielsweise Aluminium, Kupfer, Blei, Zink, Kobalt und Titan. Mittelfristig werden jedoch keine weiteren deutlichen Steigerungen erwartet. Ende 2017 belief sich die Produktion von fertig gewalzten Eisenmetallen auf 60,9 Mio. Tonnen (+0,7%), die von Stahlrohren lag bei 11,0 Tonnen (+4,5%).

Stagnierender Verbrauch im Inland, erschwerte Exportbedingungen

In der Jahresmitte 2018 stagnierte der Stahlverbrauch in Russland. Die Inlandsnachfrage aus dem Baukomplex und der Automobilindustrie nach Nichteisenmetallen ging deutlich zurück. Deswegen verstärkt auf den Export zu setzen ist aufgrund des zunehmenden Protektionismus vor allem vonseiten den USA nicht zielführend. In diesem Zusammenhang sind auch die Zölle zu nennen, die bei der Einfuhr russischer Stahlerzeugnisse erhoben werden. Der Absatz in die Ukraine ist aufgrund der anhaltenden Krise dort rückläufig.

Wege aus dem Dilemma

In einem Artikel der Messe-Zeitschrift Metal-Expo News vom 14. November 2018 werden folgende Handlungsschritte als Ausweg aus der schlechten Lage aufgelistet: Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit durch Effizienzsteigerungen und bessere Nutzung verfügbarer Ressourcen, Aufdecken von Marktnischen und Ansprache neuer Zielgruppen sowie die Einführung neuer Produkte. Die Regierung möchte durch eine gezielte Investitionspolitik in der Sparte der Nichteisenmetalle die Modernisierung bestehender Anlagen vorantreiben und dort schwerpunktmäßig Umweltprobleme lösen und die Arbeitsbedingungen verbessern.

Solange der Weltmarkt weiterhin angespannt bleibt, lassen sich damit vermutlich jedoch nur geringe Erfolge erzielen.

 

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