Digitalisierung: die Zukunft des Handels in Russland gehört dem E-Commerce

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FuturEcommerce-Event der Mail.Ru Group am 16.11.2018 in Moskau

Laut Russia Economic Report 2018 der Weltbank vom Mai diesen Jahres ist der Online-Handel (E-Commerce) trotz relativ niedriger Kaufkraft der russischen Bevölkerung ein Wachstumsmarkt.

Den zunehmenden Anteil an der Wertschöpfung durch den E-Commerce nahm die Mail.Ru Group zum Anlass eine eintägige Konferenz dazu zu veranstalten. Sowohl nationale als auch international Speaker referierten und diskutierten im Rahmen von „FuturEcommerce“ zu den Teilbereichen City Mobility, Services on Demand, Food Tech, Fashion & Classic E-Commerce sowie Investment in E-Commerce. Allgemein bewegen die drei Trends Omnichannel, Technologie und Ökosysteme nach Meinung von Mail.Ru Group CEO Boris Dobrodeyev die Branche derzeit am meisten. Was sich innerhalb der einzelnen Themenschwerpunkte aktuell tut, dazu mehr im folgenden Beitrag.

Sharing-Economy bestimmt City Mobility

Die Mobilitätsrate nimmt zu. Um zu messen wie Städte mit den daraus resultierenden Herausforderungen umgehen, entwickelte Arthur D. Little den sogenannten „Urban Mobility Index“. Dort werden 100 Städte nach 27 Parametern bewertet und daraufhin gerankt. Zu den Indikatoren zählen beispielsweise der Anteil an nachhaltigen Mobilitätsoptionen am Gesamtmix, die Taktung der Öffentlichen Verkehrsmittel, Innovationen im Mobilitätssektor oder die Luftqualität in den Städten. Der aktuelle  Durchschnittswert liegt bei 42,3 (Maximalwert 100); Spitzenreiter ist Singapur mit einem Wert von 59,3. Moskau liegt bei 44,7 und St. Petersburg bei 38,9. Alexander Ovanesov, Managing Partner von Arhur D. Little, zeigte neben diesen Ergebnissen auch die Entwicklung der Sharing-Economy auf. Car-Sharing hat weltweit um 54% zugenommen, Bike-Sharing sogar um den Faktor zehn. Für die Nutzer wird es künftig immer wichtiger, verschiedene Mobilitätsangebote auf einer Plattform buchen zu können, Stichwort Mobility as a service. Was autonomes Fahren angeht sind die drei Städte Singapur, Wien und Amsterdam als Vorreiter zu nennen. Dubai möchte das innovativste Land in diesem Bereich werden. Dort sollen bis 2030 beispielsweise 63% der Taxis autonom fahren. Als weitere Projekte stehen eine autonom fahrende Metro und der Hyperloop auf der Agenda. Schwierigkeiten gebe es allgemein momentan in den Bereichen Haftungsfragen, Finanzierung, kulturelle Akzeptanz sowie Entwicklung/Ausbau von Technologie und Infrastruktur.

Die geladenen Unternehmensvertreter von mobike (Paul Zhu, Regional GM Europe and Latam) und Yellow (Caio Sartorelo Franco, Head of Institutional Relations) sprachen sich in der folgenden Paneldiskussion für die Nutzung von Scootern beziehungsweise Bike-Sharing aus, da dadurch die Stadt viel intensiver erfahren werden könne als mit dem Auto. Das Flottenmanagement sei jedoch komplex, weshalb sich nur wenige spezialisierte Player langfristig auf dem Markt behaupten werden. Im Zeitalter des Internets der Dinge könne der Zustand der Geräte jedoch künftig leichter erfasst werden, da Daten automatisch an die Anbieter geliefert werden. Allgemein sahen die Panel-Teilnehmer Tendenzen zur Konzentration im Markt. Der Bildung von Kooperationen zwischen verschiedenen Anbietern wird ein höherer Stellenwert zukommen.

Erhöhte Nachfrage nach Services on Demand durch geändertes Konsumentenverhalten

Bereits in zwei Jahren wird die Kaufkraft der Millenials (Geburt zwischen frühen 1980ern und 2000ern) die der GenX (Geburt zwischen 1961 und 1981) übersteigen. Sie sind digital-affin, möchten gekaufte Waren digital bezahlen und legen Wert auf die Möglichkeit zur Echtzeitkommunikation mit Unternehmen. Ein gesunder Lebensstil mit organischen/natürlichen Produkten und hohe Convenience ist für sie ebenso wichtig. In der Arbeitswelt wird das Freelancing immer mehr zunehmen, auch da das Einkommen im Gegensatz zu einer Festanstellung bei 75% im ersten Jahr der Tätigkeit deutlich höher ist. Rund ein Drittel der Bevölkerung in Megacities wird 60% des globalen BIP generieren.

Food delivery macht nur einen kleinen Teil des Food Tech-Marktes aus

Obwohl der Bereich ready-to-eat-delivery derzeit am interessantesten für Investoren ist, machen andere Bereiche 90% des gesamten Food Tech-Marktes aus. Das Marktvolumen in Russland beläuft sich auf rund 60 Mrd. Rubel (davon 85% in Moskau und St. Petersburg) und teilt sich wie folgt auf:

Teilbereich

Marktvolumen (Angaben in Mrd. Rubel)

Online grocery (Lieferung von Lebensmitteln nach Hause)

20

Dark kitchen („Restaurants“ ohne Sitzplätze; kochen nur für Food Delivery)

10

Meal kits (Kochboxen mit allen Zutaten für ein Gericht)

20

Farmer´s grocery (Direktvermarktung Produkte von Landwirten)

1,5

Table booking

0,3

B2B solutions

3

Ready-to-eat-delivery (Lieferung fertig gekochter Gerichte)

3,5

Coupons

0,3

Quelle: Präsentation Food Tech-Markt von Andrey Lukashevich, Director of Foodtech Ventures bei Mail.Ru Group

Trendthemen hier sind unter anderem genverändertes Essen und Indoor Farming. Die Gründer der Lieferdienste Delivery Club, Andrey Tsytsenko, und iFood, Carlos Moyses, sprachen sich auf der Konferenz dagegen aus, Essen selbst zu produzieren anstatt nur den Transport vom Restaurant zum Kunden zu übernehmen. Gegen diese Business-Erweiterung spreche die Tatsache, dass es schwierig sei die künftigen Wünsche des Kunden auszumachen, beispielsweise nach welcher Küche es ihn gelüste. Das US Start-Up Zume Pizza verfolgt bereits jetzt die Strategie die letzten 20% des Kochvorgangs im Lieferwagen durch einen Roboter durchzuführen, damit das Gericht frischer und schneller zum Ziel gelangt. Ein weiterer Schritt ist es, auch die Lieferung durch einen Roboter übernehmen zu lassen. Diesen Ansatz sehen die beiden Gründer kritisch, da Funktionalität und Akzeptanz bei der Bevölkerung und entsprechende staatliche Regulierungen momentan noch nicht (in ausreichendem Maße) vorhanden seien. Der Bereich food delivery sei nicht durch die Lieferung von Lebensmitteln nach Hause (online grocery) gefährdet, da immer weniger Leute kochen. Laut Moderator Josh Constine (Editor-At-Large bei TechCrunch) werden in San Francisco neue Appartments sogar teils ohne Küche gebaut, da der Bedarf dafür nicht mehr da sei.

Mobile-Nutzung als Wachstumstreiber beim Online-Shopping

Liu Wei, CEO von AliExpress in Russland, ging in der Panel-Diskussion zum Online-Shopping darauf ein, dass es sich bei Russen tendenziell um ein preissensibles Klientel handle. Die Smartphone-Nutzung zum Online-Shopping nehme immer weiter zu. Florian Jansen (Co-founder und CEO von Lamoda) hingegen sieht eine steigende Nachfrage nach Premium-Gütern; bei Lamoda ordern viele Kunden bereits über die App.

In Russland beträgt der Anteil des E-Commerce am Retailumsatz 5%, in China bereits 20%. Beim Vergleich wird deutlich, dass sich der Online-Handel in der Russischen Föderation noch in den Kinderschuhen befindet. Am Erfolg aktuell am Markt agierender Player wird jedoch deutlich, welche Potenziale das Land hat. Werden diese effizient genutzt, gehört die Zukunft des Handels dem E-Commerce.

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