7 Fragen: Dirk Grossmann von Lufthansa über die Airline-Industrie in Russland

New Premium

© Lufthansa Group

Die Lufthansa Group ist ein global agierender Luftverkehrskonzern mit Hauptsitz in Köln. Neben der Personen- und Frachtbeförderung gehören die Wartung, Reparatur und Überholung von Flugzeugen sowie die Herstellung von Bordverpflegung zum Portfolio. Auf dem russischen Markt ist die Unternehmensgruppe seit mehr als 50 Jahren aktiv.

Im Interview spricht der General Sales Manager für die Russische Föderation Dirk Grossmann mit uns über die Mobilitätsindustrie in Russland, aktuelle Trends in der Fluggastbeförderung und seine Eindrücke von der russischen Geschäftskultur.

____________________________________________________________________________________________

  1. Sie waren in Ihrer vorherigen Position bei Lufthansa für den asiatischen Markt zuständig. Inwieweit unterscheidet sich dieser vom russischen?

Ja, von 2011 bis 2017 habe ich die Verkaufs- und Marketingaktivitäten der Lufthansa Group in Thailand und der Mekong Region verantwortet und in dieser Zeit vor allem die asiatischen Kulturen und deren Gastfreundschaft kennen und schätzen gelernt.

Asien zählt zu einem der wichtigsten Verkehrsgebiete im weltweiten Netzwerk der Lufthansa Group. Der größte Unterschied zum russischen Markt liegt einfach darin, dass wir von und nach Asien Langstreckenflüge anbieten auf welchen unsere Fluggäste mehr Zeit haben unseren vielfach ausgezeichneten Bordservice zu genießen. Andererseits sind unsere russischen Passagiere dafür mehrmals täglich nur etwa drei Stunden Flugzeit von unseren Drehkreuzen entfernt.

  1. Wie hoch ist die Wettbewerbsintensität im Airline-Bereich auf dem russischen Markt?

Dank der wirtschaftspolitischen Entwicklung der letzten Jahrzehnte hat sich der Markt für nationale aber vor allem auch internationale Geschäftsreisende und Touristen sehr positiv entwickelt. Vor allem Moskau und Sankt Petersburg sind sehr attraktive Ziele die eigentlich in keinem Flugplan einer internationalen Airline fehlen.

Die Lufthansa Group bedient Russland bzw. die Sowjetunion bereits seit einem halben Jahrhundert und hat die Entwicklung des russischen Luftverkehrsmarktes quasi hautnah miterlebt und auch mitbestimmt.

Die russische Aeroflot konnte in dieser Zeit ihre traditionell führende Marktposition durch umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen verteidigen und verbessert ihr Angebot qualitativ und quantitativ kontinuierlich. Zusätzlich gelingt es jedoch auch anderen russischen Fluggesellschaften wie der S7 erfolgreich im russischen und auch internationalen Markt teilzunehmen.

Die Verteidigung unserer Marktanteile gegenüber unseren nationalen und internationalen Mitbewerbern ist eine tägliche Herausforderung und Motivation.

  1. Über welche Faktoren punktet Lufthansa im Vergleich zu russischen Fluggesellschaften?

Unsere größte Stärke ist sicher das weltweite Streckennetz der Lufthansa Group. Aktuell fliegen wir aus Moskau, Sankt Petersburg und Krasnodar insgesamt 139 Flüge pro Woche nach Frankfurt, München, Wien, Zürich, Brüssel und Genf. Damit bieten wir unseren Fluggästen Verbindungen zu 271 Zielorten in 105 Ländern weltweit.

LHG tails

Leitwerke der Lufthansa Group, © Lufthansa Group

Darüber hinaus haben wir gerade in den letzten Jahren massiv in die Flugzeugflotte der Lufthansa Group investiert, alle Kabinen erneuert, digitale Angebote eingeführt, neue Lounges eröffnet und Services an Bord und am Boden verbessert.

Von unseren Bemühungen Lufthansa als Premium Carrier zu definieren sind übrigens auch unsere Fluggäste überzeugt, die in der großen Skytrax-Befragung 2017 die Lufthansa zu Europas bester Airline gewählt haben. Dies wurde dann auch von der Skytrax-Jury, die uns in der First Class bereits seit Jahren mit fünf Sternen bewertet hatte, mit dem fünften Stern für die gesamte Airline honoriert. Unsere Premium-Strategie kommt vor allem bei unseren Kunden aus Russland gut an, die sehr viel Wert auf Qualität legen.

  1. Wie wird sich der Flugreisemarkt in Russland in den kommenden Jahren entwickeln?

Der russische Flugreisemarkt ist wie bereits angesprochen sehr attraktiv und wird sich nicht nur aus meiner Sicht sowohl national als auch international stark positiv entwickeln.

Die Aeroflot hat kürzlich ihre Strategie für die nächsten fünf Jahre veröffentlicht, in der eine substantielle Flottenerweiterung als auch eine Ausdehnung ihrer Aktivitäten  auf regionale Hubs aufgezeigt wird. Inwieweit dies auch zu einer Verschärfung der Konkurrenz oder sogar Konsolidierung innerhalb der russischen Fluggesellschaften führen wird bleibt abzuwarten.

  1. Welche Trends gibt es derzeit in der Fluggastbeförderung?

Innerhalb der Lufthansa Group sehen wir sehr deutliche Trends zur Individualisierung und Digitalisierung. Unsere Fluggäste, vor allem sogenannte „Digital Natives“, planen schon heute ihre Flugreisen mehr und mehr nach ihren individuellen Bedürfnissen und ausschließlich online.

Diesem Wunsch nach Individualität und digitaler Kommunikation kommen wir bei der Lufthansa in vielfältiger Weise nach. Unser eigens gegründeter „Lufthansa Innovationshub“ in Berlin entwickelt gemeinsam mit Start-Ups aus der Technologiebranche innovative Lösungen mit dem Ziel die Flugreisen unserer Passagiere zu einem personalisiertem Erlebnis zu gestalten.

  1. Wie steht die Aviation-Industrie im Vergleich zum bodengebundenen Transport in Russland da?

In einem riesigen Flächenstaat wie Russland haben beide Transportwege ihre Berechtigung und sollten harmonisch weiterentwickelt werden. Hier sind in den letzten Jahren sehr gute Ergebnisse erzielt worden. Gerade im Zuge der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland wurden einige bedeutende Infrastrukturprojekte vorangetrieben. Neben der Modernisierung einiger regionaler Flughäfen an den Austragungsorten der WM wurden auch die Moskauer Flughäfen erweitert und deren Anbindung durch den Ausbau der Aeroexpressverbindungen verbessert.

Das Straßen- und vor allem Schienennetz Russlands wird kontinuierlich ausgebaut. Auch mit deutscher Unterstützung wird der Ausbau des Hochgeschwindigkeitsschienenverkehrs vorangetrieben. Ich selbst reise zwischen Moskau und Sankt Petersburg ausschließlich und gerne mit der Bahn.

  1. Was sind aus Ihrer Sicht die Besonderheiten der russischen Geschäftswelt im Vergleich zu westlichen Ländern?

Hier gibt es viele Klischees und Vorurteile über beide Welten und ich denke während meiner ersten Entsendung in den 90-er Jahren habe ich einige davon selbst erfahren dürfen. Heute, gut 20 Jahre später und nach eineinhalb Jahren meines zweiten Einsatzes in Russland bin ich positiv überrascht wie sehr sich beide Seiten in der Geschäftskultur angenähert haben. Sicher gibt es noch den ein oder anderen kulturellen Unterschied, diese sind aber Nuancen die den Arbeitsalltag eher interessanter machen.


DirkGrossmann (002)

Dirk Grossmann ist General Manager Sales Russische Föderation, Kasachstan, Kirgistan, Usbekistan und Tadschikistan bei der Lufthansa Group. In dieser Position plant, koordiniert und managt er die Verkaufs- und Marketingaktivitäten dieser Verkaufsrepräsentanz.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s