Entrepreneure haben das Nachsehen: Was tun gegen die Anti-Gründungskultur in Deutschland und Russland?

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Event Russian Startups Go Global am 01.12.2018 in Moskau

In Deutschland gründete in 2017 nur 1,08% der deutschen Bevölkerung im Alter von 18 bis 64 Jahren ein Unternehmen. Gerade da es in der freien Wirtschaft derzeit eine Vielzahl an attraktiven Beschäftigungsmöglichkeiten gibt, fehlt der Anreiz. Im Laufe der ersten drei Geschäftsjahre geben bereits knapp 1/3 der Gründer ihr Vorhaben wieder auf. Laut KfW-Gründungsmonitor 2018 haben sich auch nach Meinung von Gründern unter anderem folgende gründungsspezifische Rahmenbedingungen verschlechtert: Beratungsangebote, Qualität der Infrastruktur, Zugang zu öffentlichen Fördermitteln und Wagniskapital sowie Engagement der Politik

Mit dem Förderprogramm EXIST versucht das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie Existenzgründungen aus Universitäten und Hochschulen heraus zu erhöhen. In Russland kommt eine Gründung von Start-Ups und innovativen Unternehmen aus dem Wissenschaftsbereich heraus nur selten vor. Das Investitionsvolumen in Start-Ups die an einer Universität gegründet wurden belief sich in 2015 nur auf 9,8 Millionen USD, wohingegen das weltweite Volumen bei 22 Milliarden USD lag (Russia Economic Report Mai 2018). Im Bericht ist weiterhin zu lesen, dass generell ein Mangel an Innovationen in traditionellen Industrien vorherrscht und es nur sehr wenige erfolgreiche Start-Ups gebe. Warum? Der Russia Digital Economy Report September 2018  der Weltbank führt an, dass es in der Russischen Föderation an einer Open-Innovation Kultur mangle, der Respekt für Entrepreneure fehle und ein risiko-averses Verhalten zu beobachten sei.

Ähnlich wie in Deutschland, werden auch in Russland an die Regierung verschiedene Forderungen gestellt, um die Voraussetzungen für Gründungsvorhaben zu verbessern. Bei ihnen handelt es sich unter anderem um die Optimierung in der Koordination von politischen Maßnahmen, der bessere Schutz von geistigem Eigentum was auch das Thema Patentanmeldung mit einschließt und die Gewährleistung von Bedingungen, welche die Vorhersagbarkeit des Unternehmensumfeldes verbessern. Außerdem gehört die Internationalisierung des russischen Start-Up Ökosystems dazu. 2017 kamen beispielsweise 92% des Kapitals in Seed-Runden von lokalen Investoren (2017 Global Startup Ecosystem Report).

Mit der eintägigen Veranstaltung „Russian Startups Go Global 2018 (RSGG)“ zeigt der russische Risikokapitalfonds iidf (Internet Initiatives Development Fund) russischen Start-Ups aus der Tech-Szene Wege zur Internationalisierung auf. Die Stärken russischer Start-Ups konzentrieren sich nämlich vorwiegend auf die neuen Technologien wie AI, Blockchain und Robotics. 50% aller Start-Ups im Silicon Valley wurden von ausländischen Entrepreneuren gegründet, gute Chancen also für russische Jungunternehmer. Auch wenn der Standort für viele Tech-Unternehmen bekannt ist, sollten Gründer auch andere Standorte in Betracht ziehen, wenn sie neben Russland auch andere Märkte bedienen möchten. Attraktiv seien insbesondere Entwicklungsländer, wo die Märkte noch nicht gesättigt und die Personalkosten geringer sind als beispielsweise in Europa. Zu beachten sei dabei, dass sich die Bevölkerung häufig in Megastädten (> zehn Millionen Einwohner) konzentriert. Somit erfolgt der Launch nicht in einem Land, sondern in einer Megastadt.

Empfehlungen, die die Speaker auf der RSGG den Teilnehmern mitgaben, waren:  Crowdfunding als Möglichkeit zu einer ersten Finanzierung und Überprüfung des Geschäftsmodells zu nutzen (wie kommt die Geschäftsidee an), im Falle einer Expansion unbedingt persönlich als Gründer vor Ort zu sein um Vertrauen bei den Kunden zu schaffen und sich für einen Accelerator zu bewerben. Speziell das vorhandene Netzwerk dort sei von immensem Vorteil, um das Geschäft erfolgreich aufzubauen und zu entwickeln.

Das Geld wächst nicht auf den Bäumen. Dieser Spruch gilt für Start-Ups in Deutschland und Russland in besonderem Maße. Sich auf staatliche Unterstützung beim Gründungsvorhaben zu verlassen wird die Unternehmung nur in begrenztem Umfang voranbringen. Es bedarf vielmehr einer proaktiven Herangehensweise, bei der die Gründer viel Zeit und Energie nicht nur in die Entwicklung und Optimierung ihres Produktes investieren, sondern auch in den Aufbau eines Netzwerkes. Diese Vernetzung erleichtert dann auch den Schritt vom lokalen auf den globalen Markt.

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