Rohöl- und Gasexportweltmeister Russland kämpft mit hoher Inflation, Exportdiversifikation und Verbesserung der Bedingungen für KMUs auf dem Weg zu Platz fünf der größten Volkswirtschaften

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Der halbjährlich erscheinende Russia Economic Report der Weltbank gewährt in der Dezemberausgabe 2018 einen Überblick zur derzeitigen wirtschaftlichen Lage der Russischen Föderation.

Mitte Dezember erhöhte die russische Zentralbank den Leitzins auf 7,75%; unter anderem mit der Begründung, dass die Inflation auf bis zu 6% steigen könnte. Drei Gründe sind ausschlaggebend für die Zunahme der Inflation. Zum einen zählen die niedrigen Lebensmittelpreise aufgrund der guten Ernte in 2017 dazu. Zum anderen nahm der gestiegene Preis für Rohöl Einfluss auf die Benzinpreise und die Transportkosten der Produzenten. Und durch die Abwertung des Rubels verteuerten sich die Preise für den Import von Lebensmitteln.

Was den Export angeht, so wurde Russland 2017 zur weltweiten Nummer eins bei der Produktion von Rohöl und überholte somit Saudi Arabien als größten Exporteur von Rohöl und Ölprodukten. Im Oktober 2018 lag die Rohölförderung mit 11,4 Millionen Barrel pro Tag sogar auf einem Rekordlevel. Im Bereich Erdgas belegte die Russische Föderation mit 640 Milliarden Kubikmeter 2017 international Rang zwei der Erdgasproduzenten hinter den USA. Trotzdem ist Russland der größte Exporteur, da in den Vereinigten Staaten der Großteil des geförderten Gases im eigenen Land verbraucht wird. Für die kommenden Jahre wird mit einem weiteren Anstieg des Exports insbesondere von Flüssigerdgasen gerechnet. Öl- und Gasprodukte machten in 2017 59% der Exportgüter aus; im Bereich Exportdiversifikation besteht demnach noch Handlungsbedarf.

Auch an anderen Stellen herrscht Optimierungsbedarf. In Russland verwalten fünf große Banken über 60% der Assets. Ein eigens gegründeter Konsolidierungsfonds der insolvente Finanzinstitute aufgekauft hat, soll künftig deren Privatisierung vorantreiben, sobald die Rekapitalisierung abgeschlossen und die Marktbedingungen günstig sind. Gerade die 5,95 Millionen kleinen und mittlerem Unternehmen in Russland haben damit zu kämpfen, dass für sie der Zugang zu Krediten schwierig ist. KMUs generieren in der Russischen Föderation einen Anteil von 22% am BIP; ein unterdurchschnittlicher Wert im OECD-Vergleich, wo der Wert bei 50-60% liegt. Bis 2030 soll der Wert daher auf 40% nahezu verdoppelt werden.

Ein weiteres Ziel der Regierung ist es, die Armutsquote von aktuell 13,2% bis 2024 zu halbieren. Um dies zu realisieren müsste das Wirtschaftswachstum jedoch mit 3% doppelt so hoch ausfallen, als es wahrscheinlich tun wird. Laut Weltbank scheint eine Verminderung auf 12% in den kommenden drei Jahren realistisch. Maßnahmen zur Senkung der Armut im Land sind beispielsweise eine Anhebung der Zulagen für Familien mit drei oder mehr Kindern und die bessere Unterstützung von Alleinerziehenden.

Betreffend den Arbeitsmarkt, betrug der Anteil an vakanten Stellen an den gesamten Jobs im zweiten Quartal 2018 3%, was für eine schrittweise Erholung der Realwirtschaft spricht. Auch die Anzahl an Teilzeitangestellten stieg in der ersten Jahreshälfte leicht an; liegt aber immer noch unter dem Niveau des Krisenjahres 2009.

Ausgeschlossen ist es nicht, dass die Wirtschaft in Russland bis 2028 um 3% wächst. In seiner alljährlichen Fragestunde Ende Dezember sprach Präsident Wladimir Putin sogar davon, dass das Land in eine andere Liga aufsteigen müsse und den fünften Platz der größten Volkswirtschaften weltweit einnehmen könne. Angesichts der Tatsache, dass das Land aktuell Platz 12 bekleidet, gibt es noch einiges zu tun um dieses Ziel zu erreichen. Putin gab jedoch selbst zu, dass es einiger Jahre bedarf, bis solche Entwicklungen realisiert werden können.

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