LegalTech in Russland: Ist die Rechtsbranche bereit für Chat-Bot Konsultationen und intelligente Verträge?

20914600_1633014323437566_3523896287828631110_n

© Dmitry Vedev, Anton Pronin

Bei LegalTech Start-Ups handelt es sich um Jungunternehmen, die im Rechtsbereich angesiedelt sind und dort klassische Dienstleistungen und Services digitalisieren beziehungsweise automatisieren. Pravo.ru führte 2017 eine Studie mit 2075 russischen Anwälten zu der Frage durch, ob diese befürchten, dass sie künftig durch intelligente Programme ersetzt werden. 29% der Befragten gab dabei ein, dass sie solche Technologien bereits im Arbeitsalltag einsetzen, ein Viertel antwortete, dass der Faktor Mensch im Rechtsgeschäft überhaupt nicht durch Software ersetzt werden könne. Ein Blick auf das Marktvolumen zeigt, dass es sich dabei jedoch durchaus um eine attraktive Nische handelt. Zwar beträgt dieses in Russland nur 2 Milliarden USD im Vergleich zu 450 Milliarden USD in den Vereinigten Staaten – auch weil der Rechtsmarkt allgemein kleiner ist als in den USA; die Digitalisierungspotenziale in der Branche sind nichtsdestotrotz immens.

Anton Pronin, Direktor des Skolkovo IT-Clusters, und Dmitry Vedev erstellten auf Basis der LegalTech Landscape von Thomson Reuters, welche einen Überblick über aktive Start-Ups in der Industrie in Westeuropa und den USA gibt, eine Übersicht für den russischen Markt (siehe Titelbild). Darin werden die Start-Ups in der LegalTech Szene in fünf Tätigkeitsschwerpunkte unterteilt: Referenz- und Rechtssysteme, Experten-Analysesysteme, Automatisierungssysteme für Rechtsanwaltskanzleien, juristische Online-Dienste und Online-Rechtsberatungsbörsen. Im Technologiepark Skolkovo wurde ein eigener LegalTech Accelerator aufgebaut, der Jungunternehmen aus der Rechtsbranche fördert.

Aktuell stehen Start-Ups aus der LegalTech Branche nämlich noch vor einigen Herausforderungen, allen voran einen Kundenstamm aufzubauen. So gilt die russische Rechtsbranche als recht konservativ und steht der Implementierung von neuen Technologien nicht unbedingt offen gegenüber. Gerade Kanzleien zeigen wenig Interesse daran neue Technologien einzusetzen. Manche Gerichte digitalisieren bereits einige ihrer Prozesse, aber nur wenige gehen letztendlich den Schritt hin zur kompletten Modernisierung der Arbeitsweisen und -abläufe. Einzig bei der Gruppe der Inhouse-Anwälte bei Großfirmen bestünde größeres Interesse an neuen Technologieformaten, so Robert Ambrogi, amerikanischer Anwalt und Journalist in einem Bericht zu russischen LegalTech Branche. Holger Zscheyge von Infotropic Media nennt außerdem Probleme in der Kommunikation zwischen Programmierern und Anwälten was Anforderungen an die Ausgestaltung von Programmen betrifft. Auf der anderen Seite sind Klienten (noch) nicht daran gewöhnt, von Robotern konsultiert zu werden; das Vertrauen in eine lebendige Person ist derzeit noch höher.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s