Der russische Fashion Markt 2019 im Spagat zwischen Niedrigpreisen und Individualisierung

20190226_121421

Während im russischen Fashion Markt in den Jahren 2008 bis 2013 eine Marktsättigung eintrat und die Händler mehr auf eine Mehrkanalstrategie bei der Vermarktung der Bekleidung setzten, waren die Jahre 2014 bis 2018 von der Krise in 2014 und einer darauf folgenden Stagnation mit einer Konsolidierung im Markt geprägt. Laut Experten soll 2019 ein Jahr der Stabilität werden, in dem das Verbraucherverhalten durch Anti-Konsum sowie den Wünschen nach Personalisierung und Interaktion mit den Marken beschrieben werden kann.

Auf der Anbieterseite haben die Unternehmen beim Einkauf der Waren aus Europa mit gestiegenen Zoll- und Lieferkosten zu kämpfen, was zu einem preisbewussteren Einkaufsverhalten führt (TextilWirtschaft Russia – Sonderausgabe 1/2019). Italien (44,8%) hat vor Deutschland (25,4%) den höchsten Anteil beim Export von Bekleidung nach Russland (Betrachtung der EU-15). Italien exportierte nach vorläufigen Prognosen 2018 im Vergleich zum Krisenjahr 2009 wertmäßig fast ein Drittel mehr nach Russland, wohingegen es bei Deutschland 4,5% weniger sind. Bei der Gesamtbetrachtung der EU-28 wird deutlich, dass es nach einem Hoch in 2013 mit 3.185 Millionen € und einem Absturz der Exporte im Krisenjahr 2014 wieder schrittweise nach oben geht. Für 2018 liegen die Prognosen bei einem Gesamtwert von 2.499 Millionen €. Es sind jedoch starke geschlechterspezifische Unterschiede gegeben. Bei Herren- beziehungsweise Jungenoberbekleidung ist eine schnellere Erholung zu verzeichnen; bei Damen- und Mädchenoberbekleidung hat sich der Wert seit Jahren deutlich unter dem Höchstwert aus 2013 eingependelt. Anzumerken ist, dass das Volumen im Damenbereich das 1,5-fache des Herrenbereichs beträgt (Prognose 2018: 1.101 Millionen € im Vergleich zu 720 Millionen €).

Generell dominiert in Russland im Bekleidungsbereich das Niedrigpreissegment. Seit 2014 hat der Anteil sogar von 51% auf 65% zugenommen. Der Anteil an hochpreisigen Artikeln ist nahezu unverändert bei 11% geblieben. Dementsprechend abgenommen hat der Anteil im Mittelpreisbereich (von 39% auf 24%). Luxusmarken wie Burberry, Tiffany & Co., BVLGARI, Louis Vuitton und Fendi gaben an, in 2017 sogar deutliche Umsatzsteigerungen erzielt zu haben. Akteure im Niedrigpreissegment möchten Kunden über Rabatte und Aktionen locken. Im Mittelpreissegment setzen die Händler dahingegen mehr auf zusätzliche Services und hohe Qualität in der Beratung. Diese Strategie könnte sich auszahlen, da die Online-Händler einen immer größeren Teil am Kuchen – das Marktvolumen im russischen Fashion Markt betrug 2018 1.451,3 Millarden Rubel – abhaben möchten. Für hohe Wachstumsraten sind insbesondere drei Unternehmen verantwortlich: OZON, Wildberries und LAMODA. Dementsprechend gehen immer mehr Händler Kooperationen mit digitalen Marktplätzen ein, um einem Wegbrechen des Geschäfts entgegen zu wirken.

Auch in Russland gilt „Handel im Wandel“. Insbesondere technische Entwicklungen im On- und Offline-Bereich werden die Branche in den kommenden Jahren weiter beschäftigen. Für ausländische Hersteller zwar kein einfaches Umfeld, nichtsdestotrotz aufgrund der Marktgröße ein interessantes.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s